Jasmine Klasen
Im Haus der Museen in Olten steht neu der Kiesel im Rampenlicht
Es war ein Abend, der unter die Haut ging. Am vergangenen Freitag verwandelte sich die Halle des Stadtmuseums Aarburg in einen Ort der literarischen Spannung und historischen Reflexion. Der Berner Krimiautor Sascha Michael Campi stellte vor vollbesetztem Haus seinen neuesten Roman Blaufalter vor – ein Werk, das nicht nur fesselt, sondern auch tief bewegt.
Aarburg Schon beim Betreten des Museums lag eine knisternde Erwartung in der Luft. Campis Roman erzählt die Geschichte der jungenJournalistin Linda Stahl, welche in die Fussstapfen ihres berühmten Grossvaters Maximilian Stahl treten will. Ihre Recherche über die ehemalige Jugenderziehungsanstalt Aarburg, in der ihr Grossvater einst selbst interniert war, wird zur gefährlichen Spurensuche. Als Maximilian brutal ermordet wird, beginnt Linda die Suche nach seinem verschollenen Manuskript Blaufalter – ein Werk, das er als junger Mann in der Anstalt verfasst hatte.
Der Roman basiert auf wahren Begebenheiten zwischen 1950 und 1980 und verwebt Fiktion mit erschütternder Realität. Besonders eindrücklich wurde der Abend durch die Anwesenheit von Werner A. Disler, einem ehemaligen Erzieher der Anstalt. Seine Erzählungen – teils Anekdoten, teils Mahnmale – liessen die Besucherinnen und Besucher verstummen. Disler sprach mit bewegender Offenheit über die Zustände jener Zeit, über verlorene Jugend und über das Schweigen, das jahrzehntelang über den Mauern der Institution lag. Nach der Lesung führte eine Museumsführung durch die historischen Räume, die einst Teil der Erziehungsanstalt waren. Die Besucher verliessen das Museum mit nachdenklichen Gesichtern, berührt von der Kraft der Literatur und der Tiefe der Erinnerung. Ein gelungener Abend, der zeigte, wie Geschichten Brücken schlagen können – zwischen Vergangenheit und Gegenwart, zwischen Fiktion und Wahrheit.
Fredi Köbeli
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