Jasmine Klasen
Im Haus der Museen in Olten steht neu der Kiesel im Rampenlicht
Wie präsentiert sich der Lebensraum an der Dünnern zwischen Wangen und Olten gut zehn Jahre nach deren Revitalisierung? An der kürzlich durchgeführten Frühlingsexkursion des Natur- und Vogelschutzvereins Wangen b. Olten (NVVW) verschafften sich die Teilnehmenden einen Eindruck – von bunten Enten bis hin zu unscheinbaren Moosarten.
Wangen bei Olten Um 7 Uhr samstagmorgens trafen sich naturinteressierte Teilnehmende am 18. April bei der reformierten Kirche in Wangen bei Olten, um an der Frühlingsexkursion des örtlichen Natur- und Vogelschutzvereins teilzunehmen. Thema war der Lebensraum der revitalisierten Dünnern zwischen Wangen und Olten. Der Flussabschnitt wurde vor über zehn Jahren im Zuge von Ausgleichsmassnahmen ökologisch aufgewertet: Das kanalisierte Gewässer wich auf rund 600 Metern einem vielfältigen Lebensraum, der heute verschiedenen Tier- und Pflanzenarten eine Heimat bietet. «Eigentlich wären seinerzeit 900 Meter geplant gewesen», erzählt Verena Schenk-Leu, Präsidentin des NVVW, als sie die Gäste zur Exkursion begrüsst, «doch Probleme mit dem Grundwasser hatten dies seinerzeit verunmöglicht.» Der restliche Abschnitt könnte allenfalls vom Kanton im Rahmen des 200 Millionen Franken teuren Aufwertungs- und Hochwasserschutzprojekts der Dünnern in Angriff genommen werden.
Dem geschulten Auge fällt aber bereits oberhalb des renaturierten Abschnitts der Dünnern etwas ins Auge, an dem der Laie in der Regel ohne einen Gedanken daran zu verschwenden vorbeiläuft: Moos. Anina Wacker ist studierte Biologin und doktoriert aktuell an der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft. Dort hat sie sich mitunter auf Moosarten spezialisiert. Letztere seien insbesondere auch dort anzutreffen, wo keine grosse Konkurrenz vorhanden ist – etwa auf Steinen. «Je nachdem, ob es sich um einen basischen oder sauren Stein handelt, siedeln sich andere Moose an.» Ein saurer Stein (z. B. Granit) enthält viel Silizium, im Gegensatz zu einem basischen Stein (z. B. Basalt), der mehr Mineralstoffe wie Calcium, Magnesium oder Eisen aufweist. Zudem seien Moose wahre Überlebenskünstler, weshalb es auch nicht erstaunt, dass der Strassenrand hin zum renaturierten Dünnerngebiet fleissig von Moosen bevölkert wird. Denn Moose können praktisch austrocknen und ihren Stoffwechsel stark herunterfahren, um dann später ihr Photosynthese-Kraftwerk sofort wieder anzuwerfen.
Insbesondere für Vögel, die ihr Nest bauen, ist Moos ein sehr dankbares Material. Es ist bequem für die Küken, speichert Wärme und ist aufgrund seiner Farbe unauffällig.
Der in Hägendorf aufgewachsene Michel Hänggi machte sich im vergangenen Jahr im Bereich Naturführungen und Umweltbildung unter dem Namen Libernatur selbstständig und hat inzwischen auch einen eigenen Podcast. «Ich bin hier heute für alles zuständig, was sich bewegt», schmunzelt er und zückt sogleich den Feldstecher, um den Blick auf eine Wasseramsel zu richten, die es sich am Dünnern-Ufer gemütlich macht.
Kurze Zeit später erklingt die Mönchsgrasmücke. Ein Gesang, an den man sich in der Schweiz schon gewöhnt hat: «Ihre Population nimmt schweizweit exponentiell zu und es wird erwartet, dass sie den Buchfinken in diesem oder im kommenden Jahr als bevölkerungsreichsten Vogel im Land ablösen wird», erzählt Michel Hänggi.
Seit einigen Jahren nennt auch die Mandarinente den renaturierten Dünnernabschnitt ihr Zuhause und ist in den Morgenstunden oft anzutreffen. Besonders das Männchen zieht mit seinem farbenprächtigen Gefieder die Blicke nur so auf sich. Einzig der Eisvogel ist mit der Dünnernumgebung noch nicht so richtig warm geworden. Dabei wurde ihm seinerzeit eigens eine Eisvogelwand gebaut, die inzwischen aber schon längst wieder verwuchert ist. Das Fazit von Michel Hänggi ist klar: Falscher Standort; die Wand hätte näher am Ufer gebaut werden müssen.
Nicht nur für verschiedene Tierarten ist die renaturierte Dünnern ein Paradies, auch der Mensch verbringt hier gerne seine Freizeit, was entsprechende Probleme mit sich bringt. Die Leute gehen baden, bräteln und lassen die Hunde trotz klar beschilderter Leinenpflicht am Ufer von der Leine. «Klar ist es für die Menschen ein schöner Ort, vorgesehen war aber eigentlich, das südliche Ufer der Natur vorzubehalten und nördlich Beobachtungs- und Verweilstellen für die Menschen zu planen», klärt Verena Schenk-Leu auf. «Im Prinzip hätte man von Beginn weg einen Ranger einsetzen und besser kommunizieren müssen.» Zudem gebe es ein grosses invasives Neophyten-Problem, auch wenn der Kanton sage, es sei alles in Ordnung. «Es hat extrem viele Armenische Brombeeren und auch das Drüsige Springkraut hat sich flächendeckend verbreitert», so die NVVW-Präsidentin.
Ebenfalls pudelwohl scheint sich der Biber in diesem Gebiet zu fühlen. Mehrere angenagte oder ganz gefällte Bäume sind Beweis seiner Bautätigkeit. Und wenn er baut, dann zeigt er dem Menschen, wie man's richtig macht. Gemäss Michel Hänggi würden zahlreiche Studien belegen, dass die Artenvielfalt dort um ein Vielfaches steigt, wo der Biber aktiv ist.
Kurz: Die Frühlingsexkursion des NVVW hat aufgezeigt, welch schöner Lebensraum auf dem Dünnernabschnitt geschaffen wurde. Jetzt gilt es, diesem nur noch verstärkt Sorge zu tragen.
Alle Infos zum NVVW: nvv-wangenbo.ch
David Annaheim
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