Gaby Kristandl
Sie führte durch das Jahreskonzert der MG Lostorf
Setzen sich ein für die Lostorfer Bürgergemeinde (v. l.): Matthias Wermuth (Bürgerrat), Thomas Kohler (Bürgergemeindepräsident), Hubert Sulzer (Vizepräsident), Toma Sokic (Bürgerrat), Jessica Moll (Gemeindeschreiberin), Dorothea Guldimann (Gemeindeverwalterin) und Sabina Bättig (Bürgerrätin).
Bild: zvg
Die Bürgergemeinde Lostorf ist seit jeher ein wichtiger Pfeiler des Dorflebens: Sie bewirtschaftet den Wald, entscheidet über Einbürgerungen und engagiert sich für ältere Menschen. Der zuständige Bürgerrat wurde nun vor Kurzem fast komplett erneuert.
Lostorf Die Bürgergemeinde Lostorf besteht aktuell aus rund 600 Personen und wird von einem fünfköpfigen Bürgerrat geführt. Letzterer wurde jüngst bis auf eine Ausnahme neu besetzt. «Die Bürgergemeinde ist im Prinzip die Urform des Gemeinwesens», erzählt der neue Bürgergemeindepräsident Thomas Kohler, der die Nachfolge von Armando Pagani angetreten hat.
Mit der Vergrösserung der Gemeinden wurde parallel dazu die Einwohnergemeinde geschaffen, um auch Nichtbürger in die Dorfgemeinschaft einzubinden. Die Einwohnergemeinde übernahm wichtige Verwaltungsaufgaben unter anderem in den Bereichen Finanzen, Bau, Bildung und Soziales. «Die Bürgergemeinde hat aber nach wie vor ihre Daseinsberechtigung, weil sie wichtige Aufgaben erfüllt, welche zum öffentlichen Leben beitragen», so Kohler. Vizepräsident Hubert Sulzer ergänzt, dass auch der ideelle Aspekt nicht zu vernachlässigen sei: «Die Bürgergemeinde steht für die Werte des Dorfes; wenn man Bürger ist, ist man eben noch einen Tick mehr verbunden mit dem Dorf, als wenn man einfach im Dorf wohnt.»
Es ist nicht einfach, Mitglieder für die Behörden der Bürgergemeinde zu finden. Dies veranschaulicht auch die folgende Entwicklung: Gab es Ende 2003 im Kanton Solothurn erst 17 Einheitsgemeinden – also Gemeinden, in denen die Bürger- und Einwohnergemeinde fusioniert haben – sind es mittlerweile bereits 33. Dazu gehören in der Umgebung von Lostorf die Gemeinden Stüsslingen, Däniken, Erlinsbach und Kienberg. In Lostorf ist man nun aber guter Dinge, mit dem neu aufgestellten Bürgerrat und weiteren Behördenmitgliedern für die Zukunft gewappnet zu sein. Das jüngste Ratsmitglied ist Toma Sokic mit Jahrgang 2002. Welches waren seine Beweggründe, im Bürgerrat mitzuwirken? «So transparent darf ich sein: Ich wurde einfach angefragt. Bei uns in der Bürgergemeinde achtet man darauf, dass die Parteistärken auch im Bürgerrat abgebildet werden», erklärt Sokic, der für die SVP politisiert. Entsprechend werde parteiintern geschaut, wer gerade zur Verfügung stehe. «Aber die Themen, um welche sich die Bürgergemeinde kümmert – Forst, Einbürgerung, Alter – interessieren mich durchaus; entsprechend muss auch ein Wille zur Mitwirkung vorhanden sein, wenn man dem Rat beitritt.»
Doch nicht nur der Bürgerrat wurde erneuert. Auch für Gemeindeschreiberin Susanne Segna, die sich 44 Jahre mit grossem Einsatz in den Dienst der Bürgergemeinde stellte, konnte mit Jessica Moll eine Nachfolge gefunden werden.
Eine Kernaufgabe der Bürgergemeinde ist es, sich um den Wald zu kümmern, denn sie ist im Besitz von 424 Hektaren Wald und 21 Kilometern Waldstrassen. Der Wald wird bewirtschaftet und gepflegt. Dafür sorgt primär der Zweckverband Forstbetrieb Unterer Hauenstein, bei welchem die Bürgergemeinde Mitglied ist. «Gemäss Auskunft des Oberförsters wird die Bewirtschaftung des Waldes immer schwieriger; man kämpft beispielsweise mit zunehmender Trockenheit und es gibt mehr Interessenkonflikte unter den Waldbenutzern», teilt Thomas Kohler mit. Waldhütten, Sitzgelegenheiten und Wege werden zudem so gut wie möglich durch eine ehrenamtliche Waldarbeitsgruppe in Schuss gehalten.
Auf der anderen Seite ist der Wald für die Bürgergemeinde auch ein Mittel zur Ertragsgenerierung: Sei es in grossen Mengen für Sägereien, als Ster für den Privatgebrauch oder in Form von Holzschnitzel für die Heizung. «All dies ist mittlerweile auch ein lukratives Geschäft für eine Bürgergemeinde», so der Präsident.
Ein grosser Teil der Arbeit der Bürgergemeinde und nicht zuletzt auch des Bürgerrats nimmt das Einbürgerungswesen ein, was gleichzeitig mit grosser Verantwortung verbunden ist. Denn kaum ein Jahr vergeht, in welchem nicht eine Gemeinde wegen einer abgewiesenen Einbürgerung medial für Schlagzeilen sorgt, weil die Ablehnungsgründe nicht vollends zu überzeugen vermögen.
Doch wie läuft eine Einbürgerung in Lostorf konkret ab? Das Verfahren folgt einem klar definierten Prozess, der von Bund und Kanton vorgegeben wird. So muss ein ausländischer Staatsbürger unter anderem seit zehn Jahren in der Schweiz wohnhaft sein und über die Niederlassungsbewilligung C verfügen. «Die Bürgergemeindeversammlung, welche am Ende über die Einbürgerung befindet, steht ganz am Schluss dieses Prozesses», erörtert Thomas Kohler den Vorgang. «Der erste grosse Schritt erfolgt durch das Oberamt, welches die einbürgerungswilligen Personen zu einem Interview einlädt und strafrechtliche, finanzielle sowie weitere Belange prüft. Die Informationsberichte der Oberämter dienen dann wiederum dem Bürgerrat dazu, über das Einbürgerungsgesuch zu entscheiden.» Dieser lädt die designierten neuen Bürger dann erneut zu einem Gespräch ein, was ein qualifiziertes Urteil erlaube, ob die Personen in die Dorfgemeinschaft passen. Eine entsprechende Empfehlung wird schliesslich zuhanden der Bürgergemeindeversammlung abgegeben, welche definitiv über die Zusicherung des Bürgerrechts entscheidet. Das Teilnahmeinteresse an den Versammlungen halte sich jedoch in einem sehr überschaubaren Rahmen.
Worum sich die Lostorfer Bürgergemeinde ebenfalls kümmert, ist das sogenannte «Legat Peier», benannt nach Johann und Helene Peier. Johann war von 1941 bis 1945 Präsident der Bürgergemeinde. Er führte ein erfolgreiches Orientteppich-Geschäft und hinterliess nach seinem Tod im Jahr 1970 ein beachtliches Vermögen. Seine Frau hielt in ihrem Testament im Jahr 1992 schliesslich fest, dass ein Teil dieses Vermögens – rund 1,6 Millionen Franken – der Bürgergemeinde zugutekommen solle. Dies verbunden mit dem Auftrag, in Gedenken an ihren Mann einen Fonds zu erstellen, dessen Kapital und Erträge ausschliesslich für die Fürsorge der Armen, Alten und Kranken in der Gemeinde Lostorf dienen sollen. So werden diese Gelder auch heute noch für diesen Zweck eingesetzt. Konkrete Beispiele sind unter anderem die Stubete für die Senioren, Altersausflüge und die Unterstützung ortsansässiger Institutionen wie die Spitex.
Im Jahr 2025 stehen für die Bürgergemeinde Lostorf nun noch zwei wichtige Termine auf der Agenda: Die Bürgergemeindeversammlung am 8. Dezember sowie der Weihnachtsbaumverkauf am 12./13. Dezember. Der Bürgerrat würde sich bei beidem über ein zahlreiches Erscheinen freuen.
Weitere Infos zur Bürgergemeinde Lostorf: www.bürgergemeinde-lostorf.ch/cms/
David Annaheim
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