Sarina Moser
Die Trachtgruppe Dulliken konnte sie als neues Mitglied willkommen heissen
Wie hat sich das Leben in Aarburg im Verlauf des 20. Jahrhunderts angefühlt? Wer im Städtchen aufgewachsen ist, erinnert sich an Fabriklärm, an volle Schulhäuser und an ein Zusammenleben, das sich stetig veränderte. Die Sonderausstellung «Erzählte Geschichte – Aarburg im 20. Jahrhundert» im Museum Aarburg macht diese Erinnerungen für die Öffentlichkeit zugänglich.
Olten «Das Museum Aarburg wurde Ende des Zweiten Weltkriegs gegründet, wobei schon davor eine Sammlung der Historischen Vereinigung existierte», erklärt Luzia Fleischlin, Kuratorin des Museums. Dieses ermöglicht einen einzigartigen Einblick in die Geschichte der Region. Diese Geschichte hat mit der am 8. März zu Ende gehenden Sonderausstellung «Erzählte Geschichte – Aarburg im 20. Jahrhundert» eine zusätzliche, persönliche Note erhalten. Im Zentrum der Sonderausstellung stehen elf Aarburgerinnen und Aarburger, die aus ihrem Leben erzählen. Dabei werden Themen wie Zuwanderung, Industrie, Stadtentwicklung oder das Jugendheim abgedeckt.
Die Vorgeschichte der Ausstellung reicht ins Jahr 2008 zurück, als bereits die Kanti Olten Interviews mit Zeitzeugen des Städtchens durchgeführt hatte. «Von langjährigen Mitgliedern der Museumskommission kam schliesslich der Wunsch auf, wieder eine Serie mit neuen Interviews durchzuführen», so Fleischlin. Unter der Anleitung von Sarah Galle und Christine Matter von der Hochschule für Soziale Arbeit Olten führte schliesslich Masterstudent Fabio Gisler die Interviews durch.
Zeitzeuginnen und -zeugen zu finden, habe sich als erstaunlich einfach herausgestellt: «Wir haben mögliche Personen, die über verschiedene Bereiche Auskunft geben könnten, vorkategorisiert und wider Erwarten haben bei der ersten Anfrage die meisten zugesagt», freut sich die Museumskuratorin.
Lange Zeit wurde die Aarburger Industrie durch Textilfabriken, Maschinen- und Metallbetriebe, die Arbeitsplätze für Hunderte Menschen boten, geprägt. In den 1960er- und 1970er-Jahren arbeiteten hier viele Frauen, aber auch zahlreiche Migrantinnen und Migranten aus Südeuropa. «Ich empfand es als sehr spannend, die persönliche Perspektive aus der damaligen Weberei zu hören, aber auch, dass praktisch alle Zeugen eine Anekdote über das Jugendheim zu erzählen wussten, das über die Jahrzehnte hinweg einen grossen Wandel durchgemacht hatte», erzählt Luzia Fleischlin. Mit dem Niedergang der Textilindustrie und der Verlagerung von Produktionen verschwanden Arbeitsplätze – und mit ihnen ein Stück Identität. Ehemalige Fabrikareale wurden später zu Wohn- oder Dienstleistungszonen umgestaltet.
Die Migration sorgte aber auch für gesellschaftliche Veränderungen in Aarburg: Es wurden Vereine und Fussballclubs gegründet, die neue kulturelle Impulse ins Städtchen brachten. Handkehrum gab es aber auch Schattenseiten: enge Unterkünfte, Sprachbarrieren und Vorbehalte in der Bevölkerung. Dennoch gelang es vielen, sich hier eine Existenz aufzubauen.
Mit dem Bevölkerungswachstum veränderte sich auch das Ortsbild, insbesondere im Norden entlang der Oltnerstrasse, wo ein neues Quartier entstand. Gleichzeitig nahm der Verkehr stark zu. Die Debatten um Entlastung, Tunnel und Umfahrung prägten die Lokalpolitik, bis mit der Eröffnung der Ortskernumfahrung im Jahr 2007 eine spürbare Veränderung eintrat.
Die Sonderausstellung versteht sich als Einladung zum Eintauchen und Zuhören, wie es sich anno dazumal in Aarburg lebte. Erlebbar gemacht werden die Zeitzeugen-Interviews mitunter an verschiedenen Stationen mit Tonaufnahmen. Archivierte TV-Beiträge, Fotos und Sammelobjekte sorgen zudem für Abwechslung beim Besuch der Sonderausstellung. Wer die Sonderausstellung erleben möchte, hat am 2. und 8. März noch die Gelegenheit dazu.
Von David Annaheim
Öffnungszeiten: Jeweils am Montagnachmittag von 13.30 bis 17 Uhr (ausgenommen Schulferien) sowie am Sonntag, 8. März, von 10 bis 12 Uhr mit Erzählcafé und von 14 bis 16 Uhr.
Weitere Infos zum Museum: www.museum-aarburg.ch
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