Fritz Gassmann
Was steckt eigentlich hinter Künstlicher Intelligenz?
Am Montag, 7. Juli, führte der Natur- und Vogelschutzverein Wangen bei Olten wieder seine jährliche, öffentliche Bering-ungsaktion der Mauersegler im Dachstock des Schulhauses Alp durch.
Wangen bei Olten Seit rund 20 Jahren betreut der Wangner Natur- und Vogelschutzverein die Mauerseglerkolonie auf dem Schulhaus-Dachstock während der Nist- und Brutzeit, die nur wenige Wochen andauert. Mit einem Bestand von 40'000 bis 60'000 Vögeln gehört der Mauersegler in der Schweiz zu den potentiell gefährdeten Tierarten. Umso wichtiger ist die Beringung, die der wissenschaftlichen Erforschung von Lebensweise und Verhalten der Vögel dient.
«Was ich hier tue, ist jedoch so ziemlich das Rudimentärste, was im Zusammenhang mit der Vogelberingung gemacht wird», erklärt der Oensinger Ornithologe Daniel Peier im Rahmen der jährlich stattfindenden, öffentlichen Beringungsaktion im Schulhaus Alp. Im Wesentlichen geht es darum, jedes Exemplar einer eindeutigen Nummer und einem Land zuzuordnen. Dadurch lässt sich später auch das Alter des Vogels rückschliessen, wenn er andern- oder gleichenorts wieder auftaucht.
Während der Mauersegler wie viele andere Zugvögel in Afrika überwintert, sticht er aus einem besonderen Grund aus der Vogelmasse heraus: «Im Verlauf seines Lebens absolviert er gut vier Millionen Kilometer, was eine Strecke von 100 Erdumrundungen oder fünf Mal auf den Mond und zurück bedeutet. Das ist jedoch sehr vorsichtig gerechnet. Es ist durchaus möglich, dass er doppelt so weit fliegen kann», verdeutlicht Peier die Einzigartigkeit des Tiers. Dies kann der kleinbeinige Vogel mitunter dank seiner aerodynamischen Tropfenform, die eine Maximalgeschwindigkeit von bis zu 200 km/h ermöglicht. Daher können ihm auch nur wenige Vögel, etwa Falken, gefährlich werden, die ein ähnlich hohes Tempo erreichen. Auch Katzen stellen kaum eine Bedrohung dar, da sich der Vogel in der Luft von Insekten ernährt und er seine Nahrung nicht am Boden aufpicken muss.
Doch damit nicht genug: Nicht mal zum Schlafen muss der Mauersegler zur Landung ansetzen. Forscher gehen davon aus, dass er zur Erholung wie der Delfin eine Hirnhälfte abschaltet. Während eine Hälfte des Gehirns beim Fliegen also «schläft», steuert die andere wiederum den Flug. All dies ermöglicht es den Tieren, monatelang am Stück in der Luft zu leben, ohne auch nur einen Fuss auf den Boden zu setzen.
Während die Vorteile des Mauerseglers also in der Luft liegen, hat die Evolution wiederum nicht vorgesehen, dass er sich an einem Ast festhalten kann, da all seine Zehen – ungewohnt für Vögel – nach vorne gerichtet sind. Dafür ist er ein begabter Kletterer. «Bevor der Mensch Häuser gebaut hat, waren die Mauersegler Felsenbewohner», erklärt Daniel Peier. Inzwischen sucht er sich aber primär in Gebäuden sein Zuhause, doch Einfluglöcher und Hohlräume sind in neuen oder sanierten Häusern kaum noch vorgesehen.
Während die Hitze der vergangenen Wochen den Mauerseglern an ihrem gut geschützten Nistplatz im Schulhaus Wangen nichts anhaben konnte, stellt dies andernorts eine Herausforderung dar: «Unter den Ziegeln, wo sie sich oft aufhalten, kann es 50 bis 60 Grad heiss werden. Und da sie Wärme nur über den Schnabel abgeben können, suchen sie die frische Luft, wobei es vorkommt, dass das eine Tier das andere aus dem Nest stösst», informiert der Ornithologe. Kombiniert mit dem Umstand, dass es immer weniger Insekten gibt, führt dies dazu, dass die Vogelart derzeit als «potenziell gefährdet» eingestuft ist.
Da hilft es, dass sich die Mauersegler treu ergeben sind: Oft findet dasselbe Paar – nachdem die Partner sich auf individuelle Abenteuer in Afrika begeben haben – wieder am Brutort zusammen. Und diese Beziehung kann länger dauern als so manche zwischen zwei Menschen: «Ein Mauersegler kann bis zu 20 Jahre alt werden. Für einen Vogel dieser Grösse mit einem Gewicht von gerade einmal rund 50 Gramm ist dies sehr alt», so Peier. Zum Vergleich: Eine Amsel wird im Durchschnitt lediglich drei- bis vierjährig.
Wenn die Mauersegler jeweils in ihrem Zuhause auf dem Dachstock vom Schulhaus Alp den Nachwuchs ausbrüten, tun sie dies mit typisch schweizerischer Effizienz. In einem Meisennest kann es gut und gerne zehn Jungtiere haben, von denen nur 20 % den ersten Winter überleben. Die Mauersegler wiederum fokussieren sich in der Regel auf ein bis drei Junge, welche dafür umso besser umsorgt werden.
Heuer wurden bei der Beringungsaktion um die 70 Mauersegler gezählt, wobei es sich bei der grossen Mehrheit um Jungtiere handelte. Um derlei Aktivitäten weiterhin zu ermöglichen, freut sich der Natur- und Vogelschutzverein Wangen bei Olten stets über neue Mitglieder.
Alle Informationen zum Verein finden Sie online unter:
David Annaheim
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