Sarina Moser
Die Trachtgruppe Dulliken konnte sie als neues Mitglied willkommen heissen
Daniel Probst.
Bild: zvg
Arbeiten soll sich lohnen. Und zwar auch dann, wenn man heiratet. Heute ist das bei der direkten Bundessteuer oft nicht der Fall. In der Ehe werden zwei Einkommen zusammengezählt, die Progression greift stärker, und am Ende bleibt weniger übrig. Das nennt man Heiratsstrafe.
Wer spürt das besonders? Häufig junge, gut ausgebildete, verheiratete Mütter, an denen noch immer der Grossteil der Erziehungs- und Hausarbeit hängt. Viele wollen nach der Familienphase ihr Pensum erhöhen. Dann kommt der Punkt, an dem jeder zusätzliche Arbeitstag mehr Aufwand bedeutet – Kinderbetreuung, Organisation, Pendeln – und finanziell kaum etwas bringt. Nicht, weil sich Arbeit nicht lohnt, sondern weil das System sie ausbremst.
Am 8. März stimmen wir über die Individualbesteuerung ab. Die Idee ist einfach: Jede erwachsene Person wird für ihr eigenes Einkommen besteuert, unabhängig vom Zivilstand. Das ist kein Angriff auf die Ehe oder die Familie, sondern ein Schritt zu echter Gleichberechtigung. Niemand wird gezwungen, mehr zu arbeiten. Aber niemand soll durch ein Steuersystem aus dem letzten Jahrhundert davon abgehalten werden.
Für mich ist das ein freiheitlicher Grundsatz. Der Staat soll Rahmenbedingungen setzen, nicht Lebensmodelle bewerten. Partnerschaften sind vielfältig, Erwerbsbiografien ebenso. Ein modernes Steuersystem muss diese Realität abbilden, statt alte Rollenbilder zu fördern.
Oft höre ich das Argument der Bürokratie. Ja, eine Umstellung bedeutet Aufwand. Aber getrennte Veranlagungen kennen die Steuerverwaltungen längst – bei Heirat, Trennung oder Scheidung ist das heute Alltag. Zudem füllen im Kanton Solothurn bereits 96 Prozent ihre Steuererklärung online aus. Digitalisierung und KI lösen das Problem.
Individualbesteuerung bedeutet nicht mehr Staat, sondern weniger Einmischung. Sie steht für Transparenz, Gleichbehandlung und Respekt vor individuellen Lebensentscheiden. Für die junge Generation, für die Frauen, für meine Tochter lege ich am 8. März überzeugt ein Ja in die Urne.
Daniel Probst, FDP Olten
Nächste Woche:
Die Mitglieder der Oltner Ortsparteien schreiben abwechselnd «Blickwinkel»-Kolumnen in der NOZ. In der kommenden Ausgabe an der Reihe: die Fraktion SP/JSP.
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