Marco Lorenz
Dullikens Gemeindepräsident blickt zurück auf seine ersten Monate im Amt
Andreas Heller.
Bild: da
Ob neue Infrastruktur, kulturelle Höhepunkte oder finanzielle Engpässe: Gemeindepräsident Andreas Heller zieht Bilanz über ein intensives Jahr in Hägendorf und spricht über die Projekte und Werte, die das Dorf 2026 prägen sollen.
Andreas Heller, Sie konnten im Wahljahr 2025 auf einen stressigen Wahlkampf verzichten und wurden still wiedergewählt. Eine Bestätigung für die geleistete Arbeit der vergangenen Amtsperiode?
Es mag ein Zeichen von Vertrauen sein. Aber bestimmt gibt es auch Leute, die nicht so happy sind mit mir. So stellt sich gegebenenfalls auch die Frage nach Alternativen.Dabei muss beachtet werden, dass das Amt viel Aufwand bedeutet und man zuweilen einsam und ausgestellt ist.
Im Februar haben auch die letzten verbliebenen Kreisschulgemeinden Gunzgen und Hägendorf dem Neubau des Schulhauses zugestimmt. Wie sieht der aktuelle Stand der Dinge aus? Verläuft alles planmässig?
Im Moment arbeitet man an den normalen Projektschritten. Das heisst Baugesuch einreichen, Finanzmittel beschaffen etc. Wir warten aber auch noch auf die Ortsplanungsrevision bzw. prüfen, wie wir das Thema zum Beispiel mit einer Teilverfügung vorantreiben können.
Schon wesentlich weiter ist man bei einem anderen wichtigen Bauprojekt in der Gemeinde: Der Bahnhof ist fertig umgebaut und barrierefrei. Haben Sie dazu schon Rückmeldungen von gehbehinderten Personen erhalten?
Ich habe von verschiedenen Leuten sehr viel positives Feedback erhalten. In diesem Sinne bin ich zufrieden. Ich würde mich noch mehr freuen, wenn man in Bezug auf Littering, insbesondere Zigaretten-Littering, dem Bahnhof und dem Umfeld mehr Respekt zollen würde.
Ein wichtiger Ort im Dorf – das Seniorenzentrum Untergäu – feierte im vergangenen Sommer seinen 60. Geburtstag; Sie sind selbst zur Unterstützung der Institution an einem Sponsorenlauf «mitgsecklet». Wie wichtig ist es für den Gemeinderat generell, sich für die älteren Menschen im Dorf einzusetzen?
Ich kann das nicht für andere beantworten. Ich meine aber, jeder von uns, Gemeinderat oder nicht, sollte sich bewusst sein, was die Generationen vor uns für uns getan haben. Wir können das gar nicht zurückzahlen. Was wir aber tun können, ist, unsere Wertschätzung zu zeigen. Der Sponsorenlauf sollte die finanziellen Mittel für ein Multimedia-Gerät bringen. Das ist uns gelungen. Wir konnten den Leuten im Seniorenzentrum dienen; zeigen, was sie uns wert sind und hatten gleichzeitig Spass dabei; eine ideale Kombination.
Welche weiteren Highlights und Herausforderungen haben das Jahr 2025 in Hägendorf geprägt?
Mir gefällt das kulturelle Leben an sich. So sind Anlässe wie Chilbi, Kulinarium, Bundesfeier oder der Jubilarenanlass für unsere Einwohnenden tolle Anlässe. In diesem Jahrkonnten wir dank Unterstützung von verschiedenen Personen und Firmen den Hüpfburgentag, der sonst dem Sparhammer zum Opfer gefallen wäre, durchführen. Das war wirklich toll. Danke nochmals an alle, die geholfen haben, zum Beispiel die Firma Murpf, die als Hauptsponsorin aufgetreten ist. Ganz besonders gelungen ist aber die Chesslete. Da neben ungewöhnlich vielen «üblichen» Teilnehmenden auch die Schule mitmachte, hatten wir einen Fasnachts-Auftakt, wie ich ihn noch nie gesehen habe. Auf der andern Seite sind wir durch einen Pressebericht für einen Moment in den nationalen Fokus geraten. Zu Unrecht, wie ich finde. Das war das Highlight aus negativer Sicht.
Praktisch alle Gemeinden in der Region sehen sich mit steigenden Gesundheits-, Bildungs-, und Sozialkosten konfrontiert. Wie machtlos ist man diesbezüglich als Gemeinde, wenn diese Kosten oft anderweitig – unter anderem mit Steuererhöhungen – kompensiert werden müssen?
Die Sozialkosten und Gesundheitskosten sind in hohem Masse von der Demographie gesteuert. Das ist eine Tatsache. Man kann dem Kostenanstieg nur mit mehr Geld oder mit weniger Leistungen begegnen. Viele Gemeinden, auch wir, sparen, wo wir können und mussten beim Sparen Schmerzgrenzen überschreiten. Ich hätte lieber mehr Geld. Bevor man aber Steuern erhöht, sollte man andere Möglichkeiten prüfen. So gefällt mir im Moment der Gedanke, dass die Gemeinden an National-bank-Ausschüttungen partizipieren können. Dazu wurde eine Gemeindeinitiative lanciert. Ob sich Hägendorf daran beteiligt, wird noch zu entscheiden sein.
Welche Themen, Projekte und Anlässe werden Hägendorf im Jahr 2026 prägen?
Es gibt ein paar Dinge, die anstehen. Ich würde mich freuen, wenn endlich die Ortsplanung in trockenen Tüchern wäre. Wir warten schon lange und es sind einige Themen bis zu diesem Moment blockiert. Nicht mehr warten wollen wir mit der Strassensanierung an der Sandgrube. Das ist überfällig und wir wollen das Thema nun bodigen. Auch das Thema des neuen Schulhauses für die Oberstufe kommt hoffentlich weiter. Und dann jährt sich das grosse Hochwasser von 1926 zum 100. Mal. Besonderes freue ich mich auf die neuste Ausgabe der Hägendörfer Jahrringe, die am Ende des ersten Quartals erscheinen soll. Hans Sigrist und sein Team haben einige spannende Themen aufgearbeitet.
Sie haben das letzte Wort.
Wenn ich in die Welt hinausschaue, dann hoffe ich, dass Hägendorf sich nicht vom Trend von Pol-Politik, von Respektlosigkeiten und Missgunst anstecken lässt. Ich hoffe, dass wir die wohltuende Gemeinde bleiben, die wir sind. Wir sind kein gallisches Dorf, doch hoffe ich, das wir ein Bollwerk gegen die Tücken der Zeit sind und bleiben – miteinander.
Interview: David Annaheim
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