Jasmine Klasen
Im Haus der Museen in Olten steht neu der Kiesel im Rampenlicht
An der Industriestrasse in Olten betreibt der Modelleisenbahn-Club Olten ein Bijou, das nicht nur Fans von Miniaturanlagen ins Staunen versetzt. Es ist ein Herzensprojekt, das in unzähligen Stunden gepflegt und ausgebaut wird.
Olten Wer die unscheinbare Tür an der Industriestrasse 41 in Olten öffnet, taucht in eine eigene Welt ein: Beim Modelleisenbahnclub MECO Olten wird die Faszination Eisenbahn im Kleinen ganz gross gelebt. Seit Jahrzehnten widmet sich der Verein dem Bau und Betrieb detailreicher Modellanlagen – ein Hobby, das Technik, Geschichte und Handwerk vereint.
Im Zentrum des Clublebens steht die grosse Modelleisenbahnanlage. Sie wird mit Normal- und Schmalspurbreiten betrieben und ist digital gesteuert. Hier rollen Züge durch sorgfältig gestaltete Landschaften, vorbei an Bahnhöfen, Brücken, rauchenden Kaminen und dank eingebauter Beleuchtung sind selbst «Nachtfahrten» möglich. «Es ist dies mittlerweile unser dritter Standort in Olten», erklärt Vorstandsmitglied Peter Donzé (82), der seit der Vereinsgründung im Jahr 1967 dabei ist. «Die erste Anlage befand sich seinerzeit noch im Säli-Schulhaus, die zweite dann in der Rötzmatt und nun sind wir seit 1984 hier an der Industriestrasse.»
Jeden Dienstagabend treffen sich Vereinsmitglieder vor Ort zu Bau- und Fahrabenden, an denen fleissig verkabelt, gestaltet und getüftelt wird. Zudem werden Züge rangiert, Strecken befahren und neue Kompositionen getestet. Die Anlage wird dabei stets weiterentwickelt – wo früher noch analog gefahren wurde, ist die Anlage inzwischen digital unterwegs. Besonders stolz ist der Club auf sein imposantes Dampflok-Betriebswerk mit 24 Lokständen. «Ein Betriebswerk sieht man zwar an vielen Orten, nicht aber ein betriebsfähiges mit komplexer Drehscheibe», weiss René Berli, Bauchef der Anlage. Vor rund acht Jahren habe man mit den Arbeiten begonnen und das Bauwerk innert rund vier Jahren fertigstellen können. Die nächste Grossbaustelle ist derweil auch schon definiert: der Bau eines Hauptbahnhofs.
Damit die gesamte Anlage zu einer Einheit wird, darf auch das Drumherum nicht vernachlässigt werden. Willi Gutherz – seit 1979 im Verein – ist für die Umgebungsgestaltung verantwortlich. Der mittlerweile pensionierte Konditor hantiert hier nicht mit Kuvertüre, Fondant und Marzipan, sondern mit Moos, Gips, Holzkohle und weiteren Materialien, um die Anlage möglichst lebensecht zu modellieren.
Wie komplex die Anlage ist, wird zudem erst bei genauerem Hinsehen deutlich. Unter der eigentlichen Anlage befindet sich beispielsweise ein sogenannter «Schattenbahnhof», in welchem Züge geparkt und andere losgeschickt werden, was für mehr Modellvielfalt auf der Strecke sorgt: «Bis zu 25 Züge sind auf der Anlage auf verschiedenen Routen im Einsatz», so Peter Donzé, der selbst leider nicht mehr an der Anlage werken kann. Er ist mittlerweile an den Rollstuhl gebunden und der Rundgang um die Anlage weist lediglich eine Breite von rund 40 cm auf. «Die Vereinskollegen machen mir aber regelmässig Fotos und Videos von der Anlage.» Mit dem Modelleisenbahnvirus habe er sich schon als kleiner «Goof» infiziert und die Faszination ist bis heute geblieben.
Auch für Aussenstehende bietet sich alle zwei Monate am «Sonntags-Apéro» des Vereins die Gelegenheit, die faszinierende Anlage aus nächster Nähe zu betrachten. Dabei wird die Anlage oft zu bestimmten Themen betrieben, am vergangenen Sonntag etwa galt der Fokus dem Thema «61 Jahre Re 4/4 II BoBo», der bekannten Universal-Elektrolokomotive der SBB. Das nächste Mal bietet sich wieder am Sonntag, 7. Juni, die Gelegenheit, beim Modelleisenbahn-Club Olten reinzuschauen.
David Annaheim
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