Beat Loosli
Emotionaler Abschied des FUKO-Präsidenten
Damit die Belastung nicht zu stark wird, benötigen Kinder und Jugendliche, die mit beeinträchtigen Geschwistern aufwachsen, ab und an auch Zeit für sich selbst oder einen Austausch mit anderen Betroffenen.
Bild: Irina Schmidt - stock.adobe.com
Am 6. Juni findet in Olten erstmals ein Geschwistertag für Jugendliche statt. Das neue Angebot richtet sich an junge Menschen, die mit einem schwer kranken oder beeinträchtigten Geschwister aufwachsen, denn auch sie benötigen mehr Aufmerksamkeit, Austausch und gezielte Unterstützung.
Olten Kinder mit einer schweren Krankheit oder Behinderung stellen den Alltag ihrer Eltern und Geschwister auf den Kopf – ein Leben lang. Die Geschwister haben es oft schwer da die Eltern mit der Pflege und Betreuung des kranken Kindes beschäftigt und dadurch auch stark belastet sind. In der Folge bekommen Geschwisterkinder nicht die Aufmerksamkeit, die für ihre gesunde Entwicklung nötig ist, und stehen meist hinten an. Die Eltern nehmen wahr, dass die Geschwister leiden, was ihre eigene Belastung verstärkt. Der Verein Raum für Geschwister (VRG) mit Sitz in Olten ist das Kompetenzzentrum für die Geschwister von schwer kranken oder behinderten Kindern, Jugendlichen sowie Erwachsenen in der Schweiz und macht auf verschiedenen Ebenen auf die Geschwisterthematik aufmerksam.
Im Frühling 2025 veröffentlichte der VRG die Ergebnisse der ersten Schweizer Geschwisterstudie, die der Verein bei der Hochschule Luzern in Auftrag gegeben hatte. Die dreiteilige Studie hat die Lebenssituation von Geschwistern von Kindern mit Krankheit oder Behinderung untersucht. Ziel war es, belastende und unterstützende Faktoren sowie den konkreten Unterstützungsbedarf zu erfassen. «Der Abschluss der schweizweit ersten Studie zur Thematik der Geschwisterkinder ist für unseren Verein ein ausserordentlich wichtiger Meilenstein», so Theresia Marbach, Präsidentin des VRG.
Gemäss Studie erleben 33 % der befragten Geschwister eine hohe psychische Belastung, besonders in finanziell belasteten Familien. Entscheidend für eine gesunde Entwicklung sind elterliche Aufmerksamkeit, offene Kommunikation und passende Unterstützung. Schutzfaktoren sind Zeit für sich selbst, Gespräche mit Eltern und Fachpersonen sowie Austausch mit anderen betroffenen Geschwistern. Die Studienergebnisse bestätigen denn auch die Erfahrungen des VRG: Besonders wichtig sind Zeit für sich selbst und mit der Familie, Hobbys, altersgerechte Informationen zur Erkrankung oder Behinderung des Geschwisters sowie Unterstützung im Umgang mit Sorgen und schwierigen Situationen. Gespräche mit externen Bezugspersonen werden ebenfalls als hilfreich erlebt.
Mit dem Ziel, dass sich betroffene Geschwister in Begleitung einer Fachperson unter ihresgleichen austauschen können, hat der VRG im Jahr 2023 in der Region Basel-Landschaft eine erste Geschwistergruppe lanciert. Ziel war es, diesen Kindern einen sicheren, geschützten Raum – den sogenannten Safe Place – zu bieten, in dem sie gesehen, gehört und sich in ihren eigenen Bedürfnissen ernst genommen fühlen. «Die Resonanz von Eltern und Kindern, die in der ersten Geschwistergruppe teilnahmen, bestätigte uns: Geschwisterkinder brauchen Orte, an denen sie gesehen werden. Orte, an denen es nicht um das kranke oder beeinträchtigte Geschwister geht, sondern um sie selbst», so Theresia Marbach.
Die Durchführung und Umsetzung vor Ort erfolgt jeweils in Zusammenarbeit mit Institutionen resp. Fachpersonen aus der Heilpädagogik, der Sozialpädagogik, der Sozialen Arbeit oder der Pflege, die beim Verein Raum für Geschwister den Lehrgang Fachperson Geschwister absolviert haben. Bereits 2024 fand der erste Lehrgang nach dem Beispiel des in Deutschland etablierten Lehrgangs Fachperson Geschwister in der Schweiz statt. Diesen Juni wird er nun zum zweiten Mal durchgeführt.
Mittlerweile gibt es die sogenannten Geschwistergruppen für Geschwister von Kindern mit chronischer Krankheit oder Behinderung in der Region Basel und Zürich. Die Eröffnung von Gruppen in weiteren Deutschschweizer Regionen ist in Planung.
Ergänzend zu den Geschwistergruppen erweitert der VRG mit dem ersten Geschwistertag für Jugendliche am 6. Juni in Olten sein bestehendes Angebot für Kinder (Geschwistergruppen) und schafft erstmals eine Plattform speziell für jugendliche Geschwister von Kindern mit schwerer Krankheit oder Behinderung. Der Geschwistertag ermöglicht den Jugendlichen einen ungezwungenen Austausch mit Gleichgesinnten und vermittelt zugleich praktische Tipps und Strategien für den Umgang mit ihrer Geschwistersituation im Alltag.
Der Geschwistertag ist ein präventives Angebot, das Jugendlichen hilft, die Belastungen ihrer besonderen Lebenssituation besser zu bewältigen und sich mit anderen betroffenen Geschwistern zu vernetzen und gegenseitig zu stärken. Teilnehmen können Jugendliche im Alter von 12 bis 18 Jahren. Die Anmeldung ist bis 28. Mai 2026 möglich.
Weitere Infos zum Verein Raum für Geschwister sowie Anmeldeinfos zum Geschwistertag finden Sie unter www.geschwisterkinder.ch
pd/red
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