Marco Lorenz
Dullikens Gemeindepräsident blickt zurück auf seine ersten Monate im Amt
Sorgen mit den Oltner Neujahrsblättern 2026 für einen Lichtblick in der nebligen Stadt (v.l.): Ruedi Studer, Stadtpräsdient Thomas Marbet, Stadtschreiber Dr. Ramon Christen, Dr. Sibylle Wyss, Prof. Christof Schelbert, Iris Schelbert-Widmer (Leitung), Thomas Müller, Sibylle Scherer und Roland Weiss.
Bild: David Annaheim
Es ist der mittlerweile 84. Jahrgang der Oltner Neujahrsblätter, welche dieser Tage in die Briefkästen der Oltner Bevölkerung verteilt werden. Für den Inhalt zeichnen die fünfköpfige Redaktionskommission sowie zahlreiche Gastautoren verantwortlich, welche die Dreitannenstadt Jahr für Jahr aus neuen Blickwinkeln beleuchten.
Olten Was 1942 erstmals bei der Dietschi & Cie AG als Auftrag des Vereins Akademia in den Druck ging, erfreut seither Jahr für Jahr Tausende von Oltnerinnen und Oltnern: Die Neujahrsblätter. Allzu viel hat sich an der «Erfolgsformel» seither nicht verändert: Heute werden die Blätter von der Dietschi Print&Design AG gedruckt, der Stadtrat darf mittlerweile ein Grusswort an die Leserschaft richten, statt einem tristen Umschlag kommen die Ausgaben mit einem schicken Coverfoto daher – in der aktuellen Ausgabe von André Albrecht – und die Geschichten werden wesentlich kompakter gehalten (wenn auch für heutige Verhältnisse noch immer lang) als anno dazumal, als sich die Berichte gut und gerne mal über ein Dutzend Seiten erstreckten. Oder um es in den Worten der Leiterin der Redaktionskommission, Iris Schelbert-Widmer, an der Präsentation der inzwischen 84. Ausgabe auszudrücken: «Eigentlich wie immer, aber dennoch stets ganz neu.»
Christof Schelbert, Präsident des Herausgebervereins Akademia, freut sich derweil auch darüber, dass mehr als die Hälfte des Geldes, das für die Neujahrsblätter benötigt wird, von Gönnerbeiträgen stammt. Die Neujahrsblätter haben eine Auflage von 10'000 Exemplaren. Diese werden primär an die Oltner Haushalte verschickt, stossen aber auch in der ganzen Schweiz, teilweise selbst im Ausland, auf Interesse bei den Heimweh-Oltnern. Wer keine Lust auf die Oltner Lektüre hat, kann diese noch in der Versandtasche verpackt im Stadthaus-Briefkasten einwerfen, damit die entsprechende Adresse künftig nicht mehr beliefert wird.
Die Redaktionskommission dankte insbesondere auch dem Oltner Stadtpräsidenten Thomas Marbet sowie der Mehrheit des Gemeindeparlaments für deren Bekenntnis zur finanziellen Unterstützung der Neujahrsblätter, dies nachdem die SVP den Beitrag aus dem Budget der Stadt streichen wollte.
Für die Ausgabe 2026 haben insgesamt 35 Autorinnen und Autoren ihre Texte beigesteuert. «Viele erachten es als Ehre, für die Neujahrsblätter schreiben zu dürfen», weiss Iris Schelbert-Widmer. Mit den Blättern werde die Stadtgeschichte Oltens weitergeschrieben – von historisch unbekannten Geschichten bis hin zum aktuellen Stadtleben. Einziges Manko der aktuellen Nummer: «Es fehlt der Sport, der eigentlich viel prominenter sein müsste.» Für die nächste Ausgabe wird jedoch Besserung gelobt. Schelbert-Widmer habe soeben an der Oltner Sportlerehrung einen Autor für die nächste Ausgabe verpflichten können.
Für die Kommissionsmitglieder stechen in der neuen Ausgabe ganz unterschiedliche Texte heraus. Sibylle Scherer hob an der Neujahrsblätter-Präsentation den Artikel von Lorenz Degen hervor, der beschrieb, wie der Festumzug «100 Jahre Eisenbahn in Olten» im Jahr 1956 zum Debakel wurde. Der Umzug lief damals nämlich aus dem Ruder, führte zu Staus und Lücken, weshalb sich ein Verantwortlicher dazu entschied, den Umzug umzuleiten. Dies hatte zur Folge, dass zahlreiche Besuchende nichts von der Parade mitbekommen hatten, obschon sie sich dafür extra ein Festbändeli sowie einen Festführer gekauft hatten.
Ruedi Studer machte auf den Text von Meinrad Kofmel aufmerksam, der sich insofern von den anderen unterscheidet, dass er frei erfunden ist. Im Text «Chester & Field» wird die Geschichte des Engländers Tenner Wilson erzählt, einem meisterhaften Möbelmacher. Mit fortschreitendem Alter erhielt dieser den Spitznamen «Ol'Ten». Nach dem 2. Weltkrieg besann sich dieser auf die Herkunft seiner Mutter und verliess London mit der Schweiz als Ziel. Als er beim Umsteigen in Richtung Bern im Bahnhof Olten landete, war für ihn klar: Hier entsteht sein neues Geschäft «Ol'Ten».
Sibylle Wyss bereitet derweil die Vielfalt der Geschichten und Schreibenden grosse Freude: «Sie sind ein Spiegel der Stadt und es zeigt generell, wie viel Interesse und Engagement vorhanden ist.» Empfehlenswert sei unter anderem der Artikel von Pedro Lenz über Peter Bichsel, der eben nicht einfach als ein weiterer Text oder eine Lobhudelei an den Autor daherkomme.
Wer in die Ausgaben vergangener Jahre eintauchen will: Diese sind auf einem von der ETH-Zürich betriebenen Online-Portal abrufbar unter: www.e-periodica.ch
David Annaheim
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