Gaby Kristandl
Sie führte durch das Jahreskonzert der MG Lostorf
Mit vollem Herzblut setzt sich Vereinspräsident Rolf Sommer für die Volière und deren "Happy Birdies", wie er sie nennt, ein.
Bild: da
Am 30. November entscheidet die Oltner Stimmbevölkerung über den «Erhalt der Volière im Vögeligarten», so der Titel der Initiative. Bei einer Annahme soll der jährliche Betrag zur Hege und Pflege der Vögel erhöht und das städtische Vogelhaus erneuert werden, um eine artgerechte Haltung nach neuesten Erkenntnissen zu ermöglichen.
Olten Seit über 100 Jahren gibt es in Olten eine Volière. Ursprünglich befand sich diese auf dem Areal, wo heute das BBZ steht. 1958 baute die Stadt Olten schliesslich die heutige Volière im Vögeligarten. Bis 2010 kümmerte sich der Ornithologische Verein Olten um deren Betrieb; anschliessend übernahm der neu gegründete Volièreverein Olten die Dienstleistung für die Stadt.
Da die Stadt sparen musste, wurden die Beiträge für die Leistungserbringung wenige Jahre später von Fr. 50'000.– auf zwischenzeitlich Fr. 20'000.– gesenkt; seit 2022 betragen diese Fr. 30'000.–, wobei der Verein in Aussicht stellte, dass er nach Ablauf der dreijährigen Leistungsvereinbarung 2023-2025 wieder auf sicheren Beinen stehen würde.
Mit der Schliessung der Auffangstation für einheimische Vögel im Jahr 2023 (aufgrund erhöhter Auflagen) entfiel seither jedoch ein wesentlicher Zustupf vom Kanton, was den Verein in die finanzielle Bredouille brachte. Dies führte schlussendlich dazu, dass der Verein beim Stadtrat eine Verdoppelung der jährlichen Beiträge auf 60'000 Franken beantragte. Diesem erschien eine Verdoppelung jedoch zu hoch, da es dem Verein nicht gelungen war, die erwartete Drittfinanzierung zu erarbeiten. Da aus Sicht des Stadtrats die Zukunftsperspektiven der Volière nicht mehr vorhanden waren, sah er im Budget 2025 keine finanzielle Unterstützung mehr vor.
Auftritt Rolf Sommer. Der stadtbekannte frühere SVP-Kantonsrat, der schon das Oltner Krematorium praktisch im Alleingang vor der Schliessung gerettet hatte, übernahm Ende November 2024 das Präsidium des Volière-Vereins. Tags zuvor erteilte das Stadtparlament der Volière zudem eine Gnadenfrist, indem es die vom Stadtrat gestrichenen 30'000 Franken für den Weiterbetrieb wieder ins Budget aufnahm. Es herrschte Aufbruchstimmung; auch dank vieler Sympathiebekundungen und Spendengeldern, welche der Verein zu dieser Zeit erfahren durfte.
Im Januar liess es sich selbst der Direktor des Zoo Zürich nicht nehmen, vorbeizuschauen, um sich einen Eindruck vor Ort zu verschaffen. Dieser fiel grundsätzlich positiv aus und beim Vogelhaus wurde entsprechendes Potenzial verortet: «Wir müssen die Tiere den Menschen näherbringen, denn wir schützen nur, was wir kennen. Daher ist ein Ort wie die Volière hier, bei welcher kein Eintritt bezahlt werden muss, absolut Gold wert», so die damaligen Worte des Zoodirektors. Wie die NOZ weiss, erstellte dieser im Anschluss zudem eine mehrseitige Präsentation zuhanden von Rolf Sommer, wie ein moderner, artgerechter Weiterbetrieb der Volière aussehen könnte.
Unter dem neu aufgestellten Vorstand wurde dem Volière-Verein jedoch schnell klar, dass eine städtische Unterstützung von 30'000 Franken für einen langfristigen Weiterbetrieb nicht ausreichen würde. Daher entschied sich Rolf Sommer aufs Ganze zu gehen und lancierte eine Initiative zum Erhalt der Volière. Diese fordert den Stadtrat dazu auf, alles zu tun, um den Erhalt der städtischen Volière in der heutigen Grösse sicherzustellen und dafür zu sorgen, dass das Gebäude den Klimazielen, den Tierschutz- und den Behindertenvorgaben genügt. Konkret soll die Hege und Pflege der Volière mit mindestens 100'000 Franken pro Jahr unterstützt werden, wobei hier die Kosten für die bauliche Ertüchtigung des Gebäudes noch nicht enthalten sind.
Das Konzept des Volière-Vereins sieht unter anderem grosszügigere Lebensräume und eine Reduktion des Tierbestands vor, dies mit dem Ziel einer artgerechten Haltung nach neuesten Erkenntnissen. Auch ein Schulungsraum für Kindergarten- und Schulbesuche sowie ein Annexbau für die kulturelle Belebung sind angedacht. Alles in behindertengerechter Bauweise. Anstatt einer eigenen Zucht der Vögel soll überdies ein Adoptionsprogramm für exotische Vögel gestartet werden. Im Falle einer Annahme der Initiative will Rolf Sommer zudem Fachpersonen von Zoos und anderen Volièren in Olten zusammenbringen, damit deren Expertise in die Planung einfliessen kann.
Die Stadt ist gemäss Leistungsvereinbarung für den in ihrem Ermessen notwendigen baulichen Unterhalt des Gebäudes und der Aussengehege zuständig. Die Volière ist jedoch schon seit vielen Jahren sanierungsbedürftig, was eingeschlagene Scheiben und Wasserschäden verdeutlichen. «Kein einziger Stadtrat hat in diesem Jahr in der Volière vorbeigeschaut, um mit mir über die Situation zu diskutieren und sich ein detailliertes Bild zu machen. Stattdessen wird lieber in linke ‹Projektli› investiert oder jenes saniert, wovon die Stadtverwaltung selbst profitiert», so der pensionierte Vermessungsingenieur Rolf Sommer, der damit mitunter auf das 59 Jahre alte Stadthaus verweist, das seit vielen Jahren Schritt für Schritt erneuert wird.
Sommer habe sich in den vergangenen Wochen auch bei anderen Volièren nach den Kosten erkundigt. «Gemäss einer Kostenzusammenstellung, die mir geschickt wurde, kostet die 1959 erbaute Volière in Aarau beispielsweise zwischen 160'000 und 180'000 Franken pro Jahr. Dort wird die Volière allerdings grossmehrheitlich durch das Stromversorgungsunternehmen Eniwa AG unterstützt. In Solothurn ist es wiederum ein Pärchen, welches die Volière seit Jahrzehnten ehrenamtlich betreut und dadurch die Kosten tiefhält», erklärt Rolf Sommer. Doch auch diese Freiwilligenarbeit werde einmal zu einem Ende kommen, da es in der heutigen Zeit immer schwieriger werde, Menschen für ein ehrenamtliches Engagement zu motivieren. Kommt dieses Engagement zu einem Ende, würden auch die Betriebskosten in Solothurn deutlich ansteigen, so Sommer.
Die Stadt Zofingen hat für ihren Wildpark und die Volière im Budget 2026 übrigens Ausgaben von nicht weniger als 320'600 Franken eingeplant – ein Vielfaches von dem, was die Stadt Olten aktuell für den Wildpark Mühletäli und die Volière im Vögeligarten aufwendet.
Die Stadt Olten ist durchaus bestrebt, das Areal Vögeligarten gesamtheitlich weiterzuentwickeln und hat im Juni bei einem Raumplanungsbüro die Erstellung eines Nutzungskonzepts in Auftrag gegeben (Kostendach: 45'000 Franken). Im aktuellen Finanzplan sind für die Weiterentwicklung des Areals inklusive anliegendem Mattenweg in den kommenden Jahren 590'000 Franken vorgesehen. Derlei Prognosen sind jedoch mit Vorsicht zu geniessen. Gemäss Auskunft der Stadtkanzlei dürfte das städtische Nutzungskonzept im Dezember vorliegen; darin sollen auch die finanziellen Eckwerte enthalten sein.
Aus Sicht des Stadtrats gehören der Betrieb und Unterhalt einer Volière jedoch nicht zu den Kernaufgaben einer Stadt. Da der Betrieb der Volière gemäss Einschätzung des Volièrevereins mit dem aktuellen städtischen Beitrag nicht möglich ist, geht der Stadtrat davon aus, dass die Volière bei einer Ablehnung der Initiative aufgelöst wird. Die Volière wird in der Planung der Stadt also nur bei einem Ja an der Urne eine Rolle spielen.
Für Rolf Sommer hingegen ist die Tierhaltung seit Jahrtausenden Teil der Kultur und auch der Kunst, wie Höhlenzeichnungen, Figuren in der Ägyptologie oder königliche Volièren beweisen. Und er würde gerne mit dem Stadtrat über die Kernaufgaben, deren Wirkung und Kosten diskutieren.
Aus denkmalschützerischer Sicht stünde einem Abriss der Volière übrigens nichts im Wege. Auf Anfrage beim kantonalen Denkmalpfleger heisst es, die Volière sei weder kantonal geschützt noch werde das Gebäude von der Denkmalpflege als schützenswert eingestuft.
Was Sommer im Falle eines Volks-Nein machen wird, ist derweil auch klar: «Dann gebe ich tags darauf die Schlüssel im Stadthaus ab und der Stadtrat kann die Vögel ab sofort selbst füttern gehen.» Man darf also gespannt sein, ob die Stadt-Exekutive ihre erste Sitzung nach der Abstimmung gegebenenfalls «extra muros» in der Volière abhalten wird.
David Annaheim
Die Vögel gehören dem Voliereverein, der damit auch verantwortlich ist für die tierschutzgemässe Haltung und ebenso für die Platzierung seiner Vögel, falls der Verein die Volierenhaltung aufgibt. Es zeugt von wenig Verantwortungsbewusstsein, wenn Rolf Sommer im Falle eines Neins zur Initiative damit droht, die angeblich so geliebten Volierevögel im Stich zu lassen.
Werner Schwaller, Olten antworten
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