Fritz Gassmann
Was steckt eigentlich hinter Künstlicher Intelligenz?
Am Dienstag wurde in Dulliken vertieft über das geplante Projekt der Suchthilfe Ost GmbH mit Begleitetem Wohnen und Beschäftigungsprogramm – unmittelbar neben einem Schulhaus – informiert. Dabei zeigte sich: Wer das Vertrauen der Bevölkerung von Beginn weg aufs Spiel setzt, hat einen schweren Stand.
Dulliken Dass das Thema des geplanten Suchthilfe-Standorts an der Bahnhofstrasse 54 in Dulliken für Begleitetes Wohnen inklusive Beschäftigungsprogramm «Tagwerk» im Dorf bewegt, wurde an der am Dienstag durchgeführten Infoveranstaltung in der Mehrzweckhalle erneut mehr als deutlich. Rund 150 Interessierte nahmen an der Veranstaltung teil und löcherten die Projektverantwortlichen nach einer halbstündigen Infovermittlung während nicht weniger als zwei Stunden mit Fragen und Bemerkungen. Diese kamen oft kritisch daher, wurden allerdings stets zivilisiert geäussert. Überhaupt wurde die Arbeit der Suchthilfe Ost geschätzt und als wichtig erachtet. Hinterfragt wurde aber insbesondere die Art und Weise, wie es zum Erwerb der Liegenschaft kam und nicht zuletzt die Wahl des Standorts direkt neben dem Schulareal Altes Schulhaus, in welchem die jüngsten Primarschulkinder ein- und ausgehen.
Monika Huggenberger, Geschäftsleiterin der Suchthilfe Ost, stellte zu Beginn das generelle Tätigkeitsfeld der Suchthilfe vor, ehe sie darlegte, was das geplante Projekt in Dulliken schon mal nicht ist: Weder werde der Hauptsitz verlagert, noch sei es eine Kontakt- und Anlaufstelle. Auch sei es kein Wohnheim mit einer grossen Anzahl Bewohnenden oder eine Stadtküche. Daniel Schaad, Abteilungsleiter Begleitetes Wohnen, ging vertieft auf das vorgesehene Wohnangebot für Suchtkranke in Dulliken ein. In diesem würde eine überschaubare Anzahl in der Grössenordnung von drei bis fünf Personen leben. Diese dürften auch Drogen im Gebäude konsumieren. Das Gebäude soll den Bewohnern als Rückzugsort dienen und die Integration sowie die Selbstständigkeit fördern. Dabei werde die Klientel bei Bedarf von Fachpersonen begleitet. Explizit soll auch für Frauen mit einer Abhängigkeitserkrankung Wohnraum geschaffen werden. Wer sich nicht an die Regeln halte, müsse auch wieder gehen.
Beim Beschäftigungsprogramm «Tagwerk» arbeiten gemäss dessen Abteilungsleiter Christoph Hess mehrere Klientinnen und Klienten in Form eines Kleinbetriebs morgens von 8 bis 12 Uhr. Dies mit der Idee, dass sie wieder eine Tagesstruktur finden, die nicht durch Drogen, sondern durch ihre Fähigkeiten gesteuert ist. Ein Hauptthema sei dabei die Gartenarbeit im Rahmen eines grösseren gepflegten Familiengartens. Während dieser Zeit seien auch immer Fachpersonen vor Ort.
Alle diese Angebote der Suchthilfe Ost erachteten im Grundsatz auch die meisten anwesenden Dulliker als wichtig und sinnvoll. Was vielen jedoch sauer aufstiess, waren zwei zentrale Aspekte. Das erste grosse Versäumnis: Die Gemeinde Dulliken wurde nicht im Vorhinein über den Liegenschaftskauf informiert. Dullikens Gemeindepräsident Marco Lorenz teilte mit, dass die Gemeinde die Sachlage habe prüfen lassen, ihr die Hände jedoch gebunden seien: Beim Liegenschaftserwerb sei alles juristisch korrekt abgelaufen und dagegen vorzugehen sei nicht möglich. Aber eben: Nur weil etwas formal-juristisch korrekt abläuft, bedeutet dies nicht, dass es auch das richtige und sinnvolle Vorgehen ist.
Georg Lindemann, Vorsitzender der Gesellschaftsversammlung der Suchthilfe Ost, suchte denn auch gar nicht erst nach Ausreden für die Nicht-Information der Gemeinde. Er nahm das Versäumnis ganz auf seine Kappe und gestand mit einer erfrischenden Ehrlichkeit, dies aufgrund seiner zahlreichen weiteren Tätigkeiten (Vorsitz bei der Oltech, Gemeindepräsident von Wolfwil sowie seine hauptberufliche Arbeit) schlicht vergessen zu haben.
Davon können sich die Dulliker natürlich nichts kaufen – schon gar nicht die besagte Liegenschaft. Mittels einer an der Gemeindeversammlung erheblich erklärten Motion forderte die Dulliker Bevölkerung den Gemeinderat zwar auf, der Suchthilfe Ost ein Kaufangebot für die Liegenschaft zu unterbreiten, diese schlug dieses jedoch am 9. Januar offiziell aus, wie Monika Huggenberger mitteilte. Dies obschon die Gemeinde Dulliken gemäss Marco Lorenz durchaus bereit wäre, aktiv beim Suchen eines Alternativstandorts in Dulliken mitzuhelfen. Lorenz hielt denn auch fest, dass der Gemeinderat den geplanten Standort des Projekts nach wie vor als nicht gut erachte. Aufgrund der Umnutzung für den Tagwerk-Projektteil, muss zuerst allerdings noch ein Baugesuch eingereicht werden, gegen welches Betroffene Einsprache erheben können. Zudem gehe es für die Gemeinde nun darum, das Projekt kritisch zu begleiten. Dies soll mitunter in Form einer Begleitgruppe geschehen. Lorenz mahnte aber, nicht alles, was künftig in Dulliken nicht gut laufe, gleich mit dem Projekt in Verbindung zu bringen. Er könne den Leuten auch heute schon Plätze in Dulliken zeigen, auf welchen gedealt werde; auch im Bereich Kleinfeldschulhaus seien schon Spritzen gefunden worden.
Warum ausgerechnet neben einem Schulareal? Es war die Frage, welche in der anschliessenden Fragerunde in verschiedensten Variationen im Zentrum stand. Eine Standortwahl, welche unter anderem damit begründet wurde, dass man sehr wohl lange nach einer passenden Liegenschaft gesucht habe und die getroffene Wahl die bestmögliche zur Verfügung stehende Option war. Zudem sei die betroffene Klientel aus Sicht der Suchthilfe-Verantwortlichen nicht gefährlicher als jeder andere Mensch. Dies würden unter anderem Zahlen, Studien und auch die gemachten Erfahrungen der Suchthilfe Ost selbst untermauern. Die Kernbotschaft der Verantwortlichen der Suchthilfe Ost lässt sich im Prinzip auf Folgendes herunterbrechen: Vertraut uns; wir sind die Experten und wissen schon, was wir tun.
Unverständnis herrschte in der Mehrzweckhalle auch dahingehend, weshalb sich die Suchthilfe Ost nicht dazu bereiterklären wollte, gemeinsam mit der Gemeinde Dulliken einen alternativen Standort im Dorf zu suchen. Etwas, das viele Dulliker begrüssen würden und für mehr Akzeptanz vor Ort sorgen würde. Oder um es auch hier auf die Essenz herunterzubrechen: Vertraut uns; wir kennen unser Dorf und wissen schon, was wir tun.
Spontanen Beifall gab es im Verlauf der Fragerunde gelegentlich für Äusserungen der Projektverantwortlichen und -befürwortenden; lauter fiel der Applaus in der Regel jedoch bei Voten aus, die dem Projekt kritisch gegenüberstanden. Anbei ein ausgewähltes Bouquet an Äusserungen aus dem Publikum:
Fazit: Was hat die Infoveranstaltung also gebracht? Nun, es war ein erster Schritt zur Vertrauensbildung; gewisse Ängste und Vorurteile konnten aus dem Weg geräumt werden. Bei einer Mehrheit der Anwesenden herrschte aber nach wie vor Unverständnis über das Vorgehen und die Standortwahl. Mit letzterer haben die Entscheidungsträger voll auf soziale Konfrontation gesetzt. Ob dies zu einer nachhaltigen sozialen Integration führt, wird die Zukunft weisen.
David Annaheim
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