Der Waschbär
Das niedliche Raubtier stellt die Jäger vor grosse Herausforderungen
Tobias Oetiker.
Bild: Claude Hurni
Wer in Olten heute bauen oder umbauen will, schaut oft vergeblich in den Zonenplan: Was erlaubt ist, steht häufig nicht dort, sondern – je nach Standort – in einem von rund 150 Gestaltungsplänen, die bis zu 60 Jahre alt
sind.
Die Ortsplanungsrevision räumt auf. Die alten Pläne werden weitgehend aufgehoben, das Baurecht kehrt in eine klare Grundordnung zurück: Wohn-, Misch- und Zentrumszonen, deren erlaubte Höhe gleich im Namen steckt – W2 bis W6, M2 bis M5, Z4 bis Z6. Für die meisten Eigentümerinnen und Eigentümer heisst das mehr Klarheit: Das Baurecht ergibt sich wieder aus der Zone.
Auch bei den Baubewilligungen ändert sich Wesentliches: Über Baugesuche entscheidet künftig das städtische Bauinspektorat, beraten von einem neuen Fachbeirat. Es löst die heutige Altstadtkommission ab, die das Ortsbild oft mit den Massstäben des Denkmalschutzes beurteilte. Beispiel: Wer sein Haus aussen dämmen wollte, scheiterte mitunter am Schutz der originalen Bausubstanz – obwohl sich optisch kaum etwas geändert hätte.
Für Olten-typische Quartiere – allen voran die Gartenstadtquartiere – gilt neu ein überlagernder «Perimeter für Quartiererhaltung». Er bewahrt Strassenbild, Vorgärten, Dachformen und die Art, wie die Häuser zur Strasse
stehen, beschrieben in «Quartiersteckbriefen». Weiterentwicklung bleibt möglich, sogar Abbruch und Ersatzneubau – sofern das Ergebnis «quartierverträglich» ist. Was das heisst, beurteilt das Bauinspektorat, gestützt auf Fachbeirat und Steckbrief.
Für grössere Siedlungen aus der Hochhaus-Ära – etwa Meierhof, Kleinholz oder Fustlighalde – gibt es neu die «Zone für Entwicklung im Bestand»: Hier soll die Weiterentwicklung der bestehenden Gebäude und nicht Abriss und Neubau im Vordergrund stehen.
Unter dem Strich ist dies ein klarer Systemwechsel: weg vom Flickenteppich, hin zu einer Ordnung, die schützt, was ein Quartier prägt, und entwickelt, wo Platz ist. Ich bin guter Hoffnung, dass mit diesem Ansatz wieder mehr Energie in kreative Lösungen fliessen kann und weniger in Frustration verpufft.
Tobias Oetiker, Olten jetzt!
Nächste Woche:
Die Mitglieder der Oltner Ortsparteien schreiben abwechselnd «Blickwinkel»-Kolumnen in der NOZ. In der kommenden Ausgabe an der Reihe: die Fraktion GLP/Mitte/EVP.
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