Beat Loosli
Emotionaler Abschied des FUKO-Präsidenten
Wurden ausgezeichnet (v. l.): Elanur Gültekin, Emily Lang, Aurelia Trivigno, Clemens Droste, Suvirr Malli, Moritz Gächter, Marya Al-Adilee, Dario Nebiker, Lia Muzzarelli und Lucien Hagmann.
Bild: David Annaheim
Vergangene Woche wurden die besten Maturaarbeiten der Kantonsschule Olten des Jahres 2026 ausgezeichnet. Die prämierten Arbeiten überzeugten einmal mehr durch ihre inhaltliche Vielfalt und hohe Qualität.
Olten Zum zweiten Mal fungierte das Haus der Museen als Austragungsort der Maturaarbeitenprämierung der Kantonsschule Olten. «So einmalig wie dieses Haus, das drei Museen unter einem Dach vereint, sind auch die Arbeiten, die heute ausgezeichnet werden», begrüsste Museumsleiter Samuel Furrer die Anwesenden. Die besten Arbeiten zu küren, sei ein ziemlicher Aufwand für die zuständige Jury, erklärte Aline Müller, Konrektorin der Kanti Olten. Alle Arbeiten würden unentgeltlich gesichtet und gelesen, teilweise auch die Präsentationen im März besucht, um sich ein Urteil bilden zu können. Trotz der unzähligen Arbeiten sei es keine «Qual der Wahl» gewesen, die nun prämierten Arbeiten zu selektionieren, hielt Jurypräsidentin Marie-Thérèse Rudolf fest: «Es macht viel Freude, die Arbeiten zu lesen, die von den Disziplinen her sehr breit gestreut sind.» Folgende Arbeiten wurden ausgezeichnet – ergänzt mit Auszügen aus den jeweiligen Laudationes der Jury:
Marya Al-Adilee: «Effects of Silicone-Based Culture; Substrates on Myofibroblast Activation»
Hinter dem Titel der Arbeit versteckt sich die Forschung nach neuen und besseren Methoden zur Züchtung von künstlichen Hautzellen, welche insbesondere für die Behandlung von Brandopfern eine bedeutende Rolle spielen. Ein Thema, das nicht zuletzt auch in der Schweiz durch die Brandkatastrophe in Crans-Montana hochaktuell geworden ist. Narbengewebe ist deutlich steifer als gesunde Haut. Al-Adilees Experiment hatte zum Ziel, beurteilen zu können, ob auf einem silikonbasierten Substrat gezüchtete Haut bessere Resultate hinsichtlich Elastizität erzielt als jene auf einem starren Substrat.
Clemens Droste: «Pachelbel-Kanon in D-Dur, ein Arrangement für vier Bläser»
Der Deutsche Johann Pachelbel war einer der bedeutendsten Barock-Komponisten. Sein Kanon in D-Dur ist im Original auf Cembalo, Cello und Geigen ausgelegt, entsprechend herausfordernd war die Umwandlung des Stücks in ein Arrangement für Blasinstrumente. Auf die Frage, ob derlei Arbeiten künftig auch von KI übernommen werden könnten, meinte Droste, KI suche sich jeweils den einfachsten und korrektesten Weg zum Ziel, was aber nicht zwingend das schönste Resultat zutage fördern würde.
Moritz Gächter: «Optimising the Overnight Rail Experience – A Novel Design Concept for a Sleeper Carriage»
Das Nachtzug-Erlebnis mittels eines neuen Design-Konzepts für Schlafwagen zu optimieren, war das Ziel der Arbeit von Moritz Gächter. Dies in der Absicht, Reisende anstelle eines Kurzstreckenflugs für die Bahn zu begeistern. Berücksichtigt werden mussten hierfür die optimale Platzausnutzung und Wirtschaftlichkeit genauso wie die Wünsche und das Wohlbefinden der Nutzenden. All dies mündete schliesslich im Bau des Teilmodells eines neuen Schlafwagenkonzeptes im Mass-stab 1:11.
Elanur Gültekin: «Alltag und Erinnerung im Konzentrationslager; ein Vergleich zweier Holocaust-Überlebender»
Elanur Gültekin untersuchte den Alltag in den Konzentrations- und Vernichtungslagern der Nazis anhand der Erinnerungen zweier Frauen, welche den Holocaust überlebt haben. Mit der Arbeit sollen die Schicksale der Opfer vor dem Vergessen bewahrt und die Erinnerung an dieses schrecklichste aller Verbrechen wachgerüttelt werden.
Lucien Hagmann: «Gletscherstand-Rekonstruktion am Steingletscher; lichenometrische Untersuchung und Methodenvergleich im Gletschervorfeld»
Aktuell kann ein rapider Rückgang vieler Gletscher beobachtet werden. Doch wie zuverlässig lässt sich die ursprüngliche Grösse der Gletscher rekonstruieren? Im Fokus der Arbeit stand eine Untersuchung von Flechten, einer robusten Lebensgemeinschaft von Pilzen und Algen. Flechten können mehrere Hundert Jahre alt werden. Mittels einer Datierungstechnik wurde im Rahmen der Arbeit nun das Wachstum der Flechten genutzt, um das Alter von freigelegten Felsen ermitteln zu können. Für seine Arbeit wurde Lucien Hagmann zudem mit dem Spezialpreis der «AG Umwelt» der Kanti Olten ausgezeichnet.
Emily Lang:«Von Fäden und Knoten – Ein Theaterstück über Schwesterlichkeit»
Emily Lang hat gemeinsam mit vier Spielerinnen ihr eigenes Theaterstück entwickelt, in welchem sie sich mit den Themen Verbundenheit sowie Grenzen innerhalb einer Gemeinschaft auseinandersetzt, mit Menschen, die aufgrund ihres Geschlechts bzw. ihrer Geschlechtsidentität oder ihrer sexuellen Orientierung von patriarchalen Strukturen benachteiligt werden. Inspiriert wurde das Werk von Louisa May Alcotts Roman «Little Women» sowie Julia Korbiks «Schwestern».
Suvirr Malli: «Heat in Motion: Experimental, Analytical and Simulation-Based Investigation of the One-Dimensional Heat Equation»
Wohl jeder hat schon praktische Erfahrungen zum Thema Wärmeleitfähigkeit gemacht, etwa wenn man sich an einer heissen Pfanne die Hand verbrannt hat. Suvirr Malli hat sich umfassend mit dem Thema Wärmeausbreitung auseinandergesetzt. Mit den nötigen theoretischen Grundlagen aus der Thermodynamik und Differentialgleichungen hat er in einem Experiment untersucht, wie sich Wärme an einem erhitzten Aluminiumdraht entlang des Objekts mit der Zeit verändert.
Lia Muzzarelli:«Vom Konzeptalbum zur Kurzgeschichte: American Idiot im Fokus»
Die Maturaarbeit von Lia Muzzarelli widmet sich der US-Rockband Green Day und dem 2004 erschienenen Konzeptalbum «American Idiot». Dieses hat sie in eine literarische Kurzerzählung umgewandelt. Die Autorin lässt die Leserschaft in der Ich-Form teilhaben an der persönlichen Entwicklung und den inneren Konflikten der Hauptfigur, welche den Weg aus der Pers-pektivenlosigkeit sucht.
Dario Nebiker:«Ausbreitungspotenzial gebietsfremder Pflanzenarten»
In der Schweiz gibt es über 700 gebietsfremde Pflanzenarten, darunter rund 90 invasive, also Pflanzen, die sich ausbreiten und eine Gefahr für das einheimische Ökosystem darstellen. Dario Nebiker wollte wissen, wie sich die Verbreitungsdynamik gebietsfremder Pflanzen seit der letzten national durchgeführten Datenaufnahme entwickelt hat. Dazu besuchte er in der Region von April bis September 72 Standorte und konzentrierte sich auf 18 Arten, darunter die Peruanische Blasenkirsche, der Blauglockenbaum oder das Drüsige Springkraut.
Aurelia Trivigno: «Endometriose – Aufklärung an Schulen»
Endometriose ist eine Krankheit, bei der sich gebärmutterschleimhautähnliches Gewebe ausserhalb der Gebärmutter ansiedelt und dort Schmerzen und Entzündungen verursacht, besonders während der Periode. Um auf das noch immer sehr tabubehaftete Thema in der Schule aufmerksam zu machen, hat Aurelia Trivigno ein Aufklärungsprogramm bestehend aus PowerPoint-Präsentation, Plakat und Flyer entwickelt. Positiv wahrgenommen habe sie dabei, dass die jungen Männer in der Schule durchaus Interesse an der thematisierten Materie gezeigt hätten.
David Annaheim
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