Der Waschbär
Das niedliche Raubtier stellt die Jäger vor grosse Herausforderungen
Am Mittwoch, 3. Juni, durfte die Gemeinde Wangen bei Olten die Inbetriebnahme ihres ersten elektrischen Kommunalfahrzeuges feiern, das künftig für verschiedenste Werkhof-Fahrten benutzt wird.
Wangen bei Olten In erster Linie wird das Fahrzeug, ein vollelektrischer Pritschenwagen von Toyota, die bisherigen Werkhof-Fahrzeuge entlasten. Dabei kommt der Neuling, dessen Ladefläche sich auf drei Seiten kippen lässt, für verschiedene Aufgaben zum Einsatz: Vom Abholen des Kehrichts aus den öffentlichen Abfallkübeln, über Mäharbeiten und Reparaturfahrten bis hin zu Materialtransporten und -lieferungen. Für die bisherigen, grösseren Diesel-Kommunalfahrzeuge seien derlei kurze Fahrten entsprechend kostspieliger und emissionsreicher gewesen, was die Schadstoffe betrifft. Die Fahrzeuge der Marke Lindner werden jedoch weiterhin für Arbeiten wie den Häckseldienst und Schneeräumungen eingesetzt, die mit dem Pritschenwagen nicht zu bewerkstelligen sind.
Das neue E-Kommunalfahrzeug profitiert zudem direkt von der «Lokalen Energie-Gemeinschaft» (LEG), einem Pilotprojekt, welches die Gemeinde zusammen mit dem Elektrizitätsversorger Primeo Energie verwirklicht. Der grosse Vorteil einer solchen LEG liegt gemäss Gemeinderat Martin Blapp, zuständig für die Infrastruktur, darin, dass alle Gemeindegebäude in ein gemeinsames System aufgenommen und mit dem eigens produzierten Strom versorgt werden können. Mit besagtem Strom lässt sich nun auch das neue E-Fahrzeug aufladen. Drei Photovoltaik-Anlagen auf den Schulhäusern Kleinwangen und Hinterbüel sowie auf der Gemeindekanzlei liefern hierfür Solarstrom. Somit wird ein Teil der Netzgebühren eingespart und das Kommunalfahrzeug trägt zu einer autarken Strom-Infrastruktur der Wangner Gemeinde bei. Die Folge: niedrigere Betriebskosten.
2021 verabschiedete die Gemeinde ein Reglement, welches ihr eine CO₂-neutrale Energiegewinnung vorschreibt. Ein Ziel, das bis 2035 umgesetzt werden soll, bildet überdies die Umstellung von fossiler auf erneuerbare Energie für Heizungen. Und: Ein Fünftel des (End-)Energieverbrauchs soll mittels eigener Produktion erfolgen. Doch Bemühungen für eine CO₂-neutrale Energiezukunft gehen mit entsprechenden Investitionen einher. Dies zeigt sich auch anhand des Ersatzes von Kommunalfahrzeugen durch elektrische Modelle. Während der neue, auf die Bedürfnisse der Gemeinde umgebaute, E-Pritschenwagen von Toyota zu guten Konditionen von deutlich unter dem Standardpreis von 80'000 Franken habe angeschafft werden können (von einem Garagisten aus der Region), handle es sich bei den grösseren Kommunalfahrzeugen jeweils um weitaus stattlichere Beträge. Dort könne die Elektro-Variante im Vergleich zu einem Diesel-Gefährt gut und gerne dreimal teurer ausfallen: rund eine Dreiviertelmillion Franken. Hinzu kommt aktuell noch eine im Vergleich verkürzte Lebensdauer der E-Fahrzeuge aufgrund der hohen Nutzungsbelastung. Entsprechend pragmatisch geht man in Wangen bei Neuanschaffungen vor: Es muss nicht nur ökologisch sinnvoll, sondern auch in finanzieller Hinsicht nachhaltig sein.
Je nach Gemeinde wird das Ziel der CO₂-Neutralität auf unterschiedliche Weise angegangen. Während manche etwa mittels Mitgliedschaft beim Trägerverein Energiestadt auf externe Expertise zugreifen können, wird in Wangen bewusst darauf verzichtet: «Da wir bereits entsprechende Fachleute in der Gemeinde haben, ergibt es für uns mehr Sinn, das Geld direkt für konkrete Massnahmen und Anlagen aufzuwenden», hält Martin Blapp abschliessend fest.
Nora Jungo
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