Jasmine Klasen
Im Haus der Museen in Olten steht neu der Kiesel im Rampenlicht
Der Vorstand der Herzgruppe Region Olten mit den Referenten und den abtretenden Akteuren André Steiger (ganz links) und Herbert Krebs (ganz rechts).
Bild: zvg
Leistungssport und Herzproblem - geht das? Das Referat von Dr. Stefan Goerre und sein Interview mit dem ehemaligen Bob-Profi Jürg Egger vermochten den Vortragssaal im Kantonsspital Olten zur 6. Generalversammlung des Vereins Herzgruppe Olten mit rund 50 Mitglieder gut zu füllen.
Olten Entsprechend wurde der statutarische Teil zügig bewältigt. Präsidentin Esther Hüsler zeigte sich höchst zufrieden über ein gelungenes Jahr: 117 Mitglieder zählte der Verein Ende 2025. Knapp die Hälfte von ihnen kommt zum Turnen, alle können an den sozialen Anlässen wie der GV oder dem Pasta-Plausch im November dabei sein. Kassier Markus Engeler bedankte sich für die Treue von Aktiv- und Passivmitgliedern und die gute Zahlungsmoral. Mit mehr Mitgliedern, mehr Lektionen und gutem Besuch der Turnstunden resultierte ein Einnahmenüberschuss. Die Herzgruppe steht damit finanziell auf sicheren Beinen und kann den Betrieb jederzeit für ein Jahr garantieren und für die Mitglieder weitere Angebote schaffen, die auch den nicht mehr Turnenden zugutekommen.
Der Vorstand hat sich im Frühjahr 2025 neu konstituiert und bleibt unverändert. Ihm gehören, neben den erwähnten Hüsler und Engeler, Maria von Arx als Aktuarin, Annemarie Junker als Programmverantwortliche und Karl Hodel als Vertreter der Instruktoren an. Die Versammlung wählte Werner Henzmann für den abtretenden Herbert Krebs zum neuen Revisor neben Alexander Strub.
Sportlich hat der Wechsel von André Steiger zu Fabienne Luternauer sehr gut geklappt: Die Gruppen 1 und 2 (jeweils Montag 17.15 und 18.15 Uhr) haben ihre Kursleitung schnell schätzen gelernt und die Zuteilung der neuen Mitglieder in die passende Gruppe erfüllt sie mit Freude und Augenmass. Den grössten Zuwachs erfuhr die Gruppe 4 von Benjamin Jeisy am Donnerstag um 17.15 Uhr. Entsprechend hat sich ihr Leiter auch um die Aktualisierung derjenigen Turngeräte gekümmert, die in die Jahre gekommen oder gar nicht vorhanden waren. Gruppe 3 von Karl Hodel ist seit Jahren stabil und könnte als einzige aktuell noch neue Mitturnende aufnehmen (jeweils am Montag 19.15 Uhr). Als Partnerorganisation der Schweizer Herzstiftung setzt sich der Verein Herzgruppe Olten für ein gesundes und motivierendes Umfeld nach einer Herzrehabilitation ein. Anmeldeformulare liegen in der Physio des Kantonsspitals und bei den lokalen Kardiologen auf. Informationen auch auf www.swisshearts.ch
Die Mitglieder waren aber weniger wegen den Zahlen wegen gekommen, sondern wegen dem Fachthema des Abends und der Frage, wie Spitzensportler mit Herzproblemen umgehen. In seinem einleitenden Referat ging Dr. Stefan Goerre auf die Besonderheiten von Herzfehlern bei Spitzensportlern ein. Berühmte Beispiele, dass sportliche Spitzenleistungen auch mit einer Herzkrankheit möglich sind, sind der Schweizer Skirennfahrer Carlo Janka und der amerikanische Snowboarder Shawn White, die es beide trotz Herzproblemen bis zum Olympiasieger gebracht haben. Eine ganz ähnliche Geschichte hat auch der Gast des Abends, Jürg Egger, erlebt
Als Leichtathlet hatte er begonnen. Schmächtig sei er gewesen, aber antrittsschnell und wendig über die Hürden. Seine Bestzeiten als Jugendlicher lassen sich auch heute noch sehen. Und dennoch: Als die Anfrage kam, es einmal im Bob zu versuchen, konnte er nicht widerstehen und hat sich für den zweiten sportlichen Weg entschieden.
Jahrelanges tägliches hartes Kraft- und Schnelligkeitstraining machten ihn zu einem der besten Anschieber («Bremser») im Bobsport und Medaillengewinner an den Europa- und Weltmeisterschaften. 2010 konnte er zwar an die Olympischen Spiele in Vancouver reisen, stürzte mit seinen Mannschaftskollegen aber so schwer, dass sie alle vorzeitig (und entsprechend enttäuscht) heimreisen mussten. Parallel zur Sportkarriere musste Jürg Egger aber auch eine medizinische Herausforderung bewältigen, wurde bei ihm doch schon im Jugendalter ein Herzklappenfehler diagnostiziert. Ausgerechnet in den Monaten vor seiner zweiten Olympiateilnahme 2014 musste er sich mit dem Gedanken einer Herzoperation befassen. Wie er diese Situation mental bewältigte und trotzdem noch einen sechsten Platz im Vierer- und einen achten Platz im Zweierbob erringen und damit seinen Olympiatraum verwirklichen konnte, hat wohl alle Zuhörer/innen beeindruckt, ebenso wie er nach erfolgreicher Herzoperation nochmals den Mut und die Energie hatte, in den Leistungssport zurückzukehren. Für die Mitglieder der Herzgruppe war es auch spannend, zu hören wie die postoperative Rehabilitation bei einem Spitzensportler verläuft und wie sein sportliches und familiäres Umfeld auf diese ungewohnte Situation reagierten. Heute ist Jürg Egger immer noch sehr sportlich und sagt selber, dass er gerade auch wegen seiner Herzerfahrung besonders gesundheitsbewusst lebt.
Esther Hüsler
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