Marco Lorenz
Dullikens Gemeindepräsident blickt zurück auf seine ersten Monate im Amt
Rainer Schmidlin.
Bild: z.V.g.
Rainer Schmidlin, Gemeindepräsident von Kappel, spricht im Interview über die Herausforderungen knapper Finanzen, die Balance zwischen den Bedürfnissen aller Generationen und die Projekte, die Kappel aktuell prägen.
Rainer Schmidlin, Sie sind seit 2009 Gemeindepräsident von Kappel und wurden in diesem Jahr still wiedergewählt. Was motiviert Sie, sich nach all den Jahren noch immer für die Gemeinde einzusetzen?
Ich bin in Kappel aufgewachsen und habe hier eine wunderbare Zeit in der Jungwacht erlebt. Seit ich vor 33 Jahren wieder nach Kappel zurückgekehrt bin, engagiere ich mich in verschiedenen Positionen für das Gemeinwesen; quasi, um etwas von dem, was ich erhalten habe, zurückzugeben. Das Gemeindepräsidium ist die Königsdisziplin der Lokalpolitik. Man tanzt gleichzeitig auf mehreren Hochzeiten, was spannend und herausfordernd ist. Zugegeben: Es macht nicht immer nur Spass, aber in meinem Fall überwiegt das Positive. Ein grossartiges Team aus Mitarbeitenden, Gemeinderäten, Kommissionen und Vereinen unterstützt mich in unserem gemeinsamen Ziel: mit den vorhandenen Mitteln das Beste für unsere Einwohnerinnen und Einwohner, unser Dorf und dessen Entwicklung zu erreichen.
Mit der Einweihung des Generationenspielplatzes gab es heuer ein Highlight für die Familien, für die Jugendlichen steht mit der drohenden Schliessung des Jugendraums eine Enttäuschung bevor. Wie schwierig ist es generell, den Bedürfnissen von Jung bis Alt stets so gut wie möglich gerecht zu werden?
Das hängt stark von den finanziellen Möglichkeiten ab. Wenn viel Geld vorhanden ist, kann man fast jede gewünschte Dienstleistung einkaufen. Wenn die Mittel knapp sind, braucht es Kreativität – und die Mithilfe der Bevölkerung, wie sie jetzt beim Jugendraum gefragt ist. Nachhaltig erfolgreich ist aus meiner Sicht, was organisch entsteht und wächst und von Menschen getragen wird. Es ist eine grosse Herausforderung, die unterschiedlichen Bedürfnisse aller Generationen unter einen Hut zu bringen.
Wie schreitet die Sportplatzerweiterung Lischmatt voran?
Die Bauarbeiten sind abgeschlossen. Jetzt liegt alles an der Natur – wir hoffen, dass sich der Rasen gut entwickelt und ein robuster, belastbarer Grasbelag entsteht. Sobald er genügend angewachsen ist, können wir den erweiterten Sportplatz in Betrieb nehmen.
Welche weiteren Herausforderungen brachte das Jahr 2025 mit sich?
Die Verkehrsplanung beschäftigte uns, insbesondere die Forderungen nach Tempo 30 auf den Gemeindestrassen. Zusätzlich die ungebremste Bautätigkeit mit der Frage, ob der verfügbare Schulraum langfristig ausreichen wird. Weil die Rechnung 2025 wohl so übel schliessen wird, wie wir es budgetiert haben, mussten wir uns überdies schon früh damit befassen, wie wir die schon ausgepresste Zitrone im 2026 noch weiter entsaften können.
Worüber haben Sie sich als Gemeindepräsident im Jahr 2025 besonders gefreut?
Besonders gefreut hat mich, dass wir in die neue Legislatur ohne Vakanzen im Rat oder den Kommissionen starten konnten. Danke allen, die sich zur Verfügung stellten.
Welche Projekte und Themen stehen in Kappel 2026 im Fokus?
Die Inbetriebnahme des erwähnten Sportplatzes Lischmatt im Sommer und des Wärmeverbunds im Herbst stehen an. Zudem beginnt die erste Etappe der Tempo-30-Umsetzung auf den Gemeindestrassen, inklusive flankierender Massnahmen zur Eindämmung des Durchgangsverkehrs. Die zweite Etappe folgt dann 2027.
Was sollte sich die Kappeler Bevölkerung (und allenfalls auch Nicht-Kappeler) 2026 unbedingt rot in der Agenda anstreichen?
Unsere Region wird 2026 zur Festhütte: Boningen, Gunzgen, Rickenbach, Wangen und Fulenbach feiern ihr 800-Jahr-Jubiläum. Diese besonderen Anlässe sollte man sich unbedingt vormerken – schliesslich dauert es noch 34 Jahre, bis wir dran sind.
Sie haben das letzte Wort.
Der Stationenweg ist der direkte Weg von der Kappeler Kirche hinauf zur Bornkapelle. Unterwegs mag die innere Stimme zur Umkehr aufrufen; zu steil, zu schwer! Hält man durch und kommt oben bei der Kapelle an, genügt der Blick auf unser Dorf, um zu verstehen, warum es ein Privileg ist, in Kappel wohnen zu dürfen.
Interview: David Annaheim
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