Michele Macagnino
Der Vorstand des FC Olten im grossen Interview
Patrick Bleuer mit seiner Border Collie Hündin Hayley.
Bild: Adrian Ehrat
Vom 17. bis 21. September starten der in Olten aufgewachsene Patrick Bleuer (43) und seine Hündin Hayley mit der Schweizer Nationalmannschaft an der Agility-WM in Kalmar (Schweden). Im Interview spricht er über die Faszination der Sportart und das Zusammenspiel von Hund und Mensch.
Patrick Bleuer, wann sind Sie auf den Hund gekommen?
Hunde begleiten mich eigentlich schon mein ganzes Leben. Sowohl bei meinen Grosseltern als auch bei meinen Eltern waren sie feste Familienmitglieder, sodass ich schon früh wertvolle Erfahrungen im Umgang mit ihnen sammeln konnte. Mein eigener Hund liess jedoch noch etwas auf sich warten. Erst durch meine Partnerin, die damals bereits vier Hunde hatte, kam ich wieder intensiv in Kontakt mit ihnen. Dabei wurde mir aufs Neue bewusst, wie viel Wärme, Ehrlichkeit und Selbstlosigkeit uns Hunde schenken.
Wie kam es, dass Sie 2021 die Leidenschaft für Agility – eine Hundesportart, bei der es einen Hindernisparcours zu absolvieren gilt – entdeckt hatten?
Anfangs war Agility für mich nur ein vages Bild: Menschen mit Hunden, die ein paar Hindernisse auf einer Wiese überwinden. Als ich meine Partnerin jedoch erstmals zu einem Turnier begleitete, erkannte ich schnell, wie anspruchsvoll und faszinierend dieser Sport tatsächlich ist. Die präzise Zusammenarbeit und die besondere Kommunikation zwischen Hund und Mensch haben mich sofort begeistert.
Nicht alle Hunderassen eignen sich gleich gut für Agility. Was zeichnet den Border Collie diesbezüglich aus?
Der Border Collie bringt ideale Voraussetzungen für Agility mit. Er ist extrem lernfähig und wird nicht umsonst als «Arbeiter» unter den Hunden bezeichnet. Kommandos versteht er sehr schnell, er braucht zudem viel geistige Auslastung. Hinzu kommen seine Aufmerksamkeit, Wachsamkeit und aussergewöhnliche Fokussierung – all das macht ihn zu einem perfekten Partner im Parcours.
Lockt man den Hund so lange mit einem Leckerli an, bis er den Parcours absolviert, oder wie läuft ein Training ab?
Im Moment baue ich Hayleys Tochter Avici, meine zweite Border-Collie-Hündin, fürs Agility auf. Dafür braucht es viel Geduld – ich vergleiche es gerne mit dem Erlernen einer neuen Sprache: Am Anfang versteht man kaum etwas, doch Schritt für Schritt erschliesst sich die Bedeutung. Ähnlich führe ich den Hund spielerisch an die gewünschten Verhaltensweisen heran und belohne jeden Fortschritt positiv – sei es mit Leckerlis oder mit einem Zergel. Nach und nach werden die Kommandos aufgebaut, beginnend mit den Grundkommandos wie «Rechts» oder «Links». Erst wenn diese sitzen, geht es an das Arbeiten im Parcours. Hayley, meine erste Border Collie Hündin, kennt mittlerweile rund 35 verschiedene Kommandos. Zuhause trainiere ich ein- bis zweimal pro Woche gezielt im Garten, zusätzlich gehe ich mittwochs ins geführte Training in die Hundehalle, wo meist drei unterschiedliche Parcours mit verschiedenen Führungsvarianten aufgebaut sind.
In den kommenden Tagen treten Sie erstmals an der Agility-WM in Schweden an. Was haben Sie sich vorgenommen und wie haben Sie sich darauf vorbereitet?
Für meine erste Weltmeisterschaft habe ich mir vorgenommen, das Erlebnis ganz bewusst zu geniessen. Gleichzeitig möchten wir in Schweden unser volles Potenzial abrufen und eine starke Leistung zeigen. In der unmittelbaren Vorbereitung achte ich sehr darauf, kein Verletzungsrisiko einzugehen. Wir absolvieren nur noch einige gezielte Übungen im Garten. Für mich selbst liegt der Fokus in dieser Phase vor allem auf dem mentalem Training und der inneren Stärke.
Zum Schluss: Wie agil muss eigentlich das Herrchen selbst sein?
Auch der Mensch darf die eigene Fitness nicht vernachlässigen. Gerade auf heutigen Parcours mit schnellen Linien und grossen Distanzen ist eine gute Grundkondition unverzichtbar. Natürlich muss man nicht Hochleistungssportler sein, doch es gehört dazu, auch an der eigenen Beweglichkeit und Ausdauer zu arbeiten. Gleichzeitig ist Agility eine Sportart, die sehr viel Freude macht und im Prinzip für jeden Hund und jeden Menschen geeignet ist.
Interview: David Annaheim
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