Sarina Moser
Die Trachtgruppe Dulliken konnte sie als neues Mitglied willkommen heissen
Marco Mori.
Bild: zvg
Seit dem vergangenen Sommer ist Marco Mori Gemeindepräsident von Winznau. Im Interview spricht er über die Stärken der Gemeinde, digitale Entwicklungspotenziale sowie die grossen finanziellen und planerischen Herausforderungen der kommenden Jahre.
Marco Mori, Sie haben im letzten Sommer die Nachfolge von Daniel Gubler als Gemeindepräsident angetreten. Ist der Gemeinderat in neuer Zusammensetzung gut in die neue Legislatur gestartet?
Grundsätzlich bin ich zufrieden. Erneuerungen bringen stets auch Chancen mit sich. Wir haben kürzlich einen grösseren Umbau hinter uns: Neben der neuen Zusammensetzung des Gemeinderats wurden auch die Ressortleitungen, die Kommissionen sowie der Sitzungsrhythmus angepasst. Es versteht sich von selbst, dass es eine gewisse Zeit braucht, bis sich das Team neu gefunden und eingespielt hat.
Was macht die Gemeinde Winznau lebenswert?
Winznau bietet eine verkehrsarme, grüne Umgebung mit einer abwechslungsreichen Siedlungsstruktur, von Einfamilienhäusern bis hin zu Wohnquartieren.
Das Dorf ist besonders attraktiv für Familien und Menschen, die naturnah leben möchten. Eingebettet in Felder, Wälder und in der Nähe der Aare, bietet die Gemeinde zahlreiche Möglichkeiten zur Erholung. Die Lage am Jurasüdfuss, umgeben von Wald, Landwirtschaftsflächen und Aarelandschaft, lädt zu Spaziergängen, Joggen, Velofahren und Freizeitaktivitäten im Freien ein.
Für Berufstätige ist die Nähe zu Olten, einer der wichtigsten Bahnknotenpunkte der Schweiz, ein grosser Vorteil. Dank der zentralen Lage zwischen Basel, Bern, Luzern und Zürich sind Städte und Arbeitsplätze schnell erreichbar. Auch Familien profitieren: Die Primarschule liegt bequem zu Fuss, weiterführende Schulen sowie zusätzliche Angebote lassen sich gut mit dem Fahrrad oder den öffentlichen Verkehrsmitteln erreichen.
Haben Sie einen Lieblingsort im Dorf – abgesehen vom eigenen Zuhause?
Die idyllischen Spazierwege entlang des Aarekanals sowie die Aare selbst zählen zu meinen Lieblingsorten. Besonders schätze ich die ausgedehnten Spaziergänge mit meinem Hund. Das Wasser mit seinen Pappeln wirkt auf mich ausgesprochen beruhigend, beinahe schon meditativ.
Gibt es eine Dienstleistung, die Sie vor Ort vermissen?
Angesichts der fortschreitenden Digitalisierung gibt es in Winznau sicherlich noch Entwicklungsmöglichkeiten. Vor allem mangelt es aktuell an digitalen Angeboten, die den Bürgerinnen und Bürgern 24/7 zur Verfügung stehen. Positiv zu erwähnen sind die Bestrebungen des Kantons, die Digitalisierung auch auf Gemeindeebene aktiv zu unterstützen. Ich befürworte eine kantonale Koordination ausdrücklich, da so Doppelspurigkeiten vermieden und Ressourcen effizient genutzt werden können.
Sie sind Ökonom und in der Privatwirtschaft tätig. Nicht selten wird der Staat aus dem bürgerlichen Lager sinngemäss dafür kritisiert, dass private Unternehmen schon längst bankrott wären, würden sie ähnlich wirtschaften. Inwiefern lassen sich die finanziellen Herausforderungen eines Privatbetriebs und einer Gemeinde vergleichen? Und wo stossen Vergleiche und Handlungsmöglichkeiten an ihre Grenzen?
Als Ökonom sehe ich durchaus Parallelen zwischen einem Privatunternehmen und einer Gemeinde. In beiden Fällen geht es um eine verantwortungsvolle Mittelverwendung, um langfristige Finanzplanung, Investitionsentscheide und darum, Einnahmen und Ausgaben in einem gesunden Verhältnis zu halten. Begriffe wie Effizienz, Priorisierung oder Kostenkontrolle sind daher auch für die öffentliche Hand relevant und sinnvoll.
Gleichzeitig stossen solche Vergleiche rasch an ihre Grenzen. Eine Gemeinde verfolgt keine Gewinnma-ximierung, sondern erfüllt gesetzlich verankerte Aufgaben und erbringt Leistungen für die gesamte Bevölkerung. Sie kann sich ihren «Markt» ebenso wenig aussuchen wie ihre Kundschaft und muss auch Leistungen erbringen, die betriebswirtschaftlich nicht rentabel, gesellschaftlich jedoch notwendig sind. Zudem verfügt der Staat über Instrumente wie Steuern oder Gebühren, die einem Privatbetrieb nicht zur Verfügung stehen, ist dafür aber politisch und rechtlich deutlich stärker eingeschränkt.
Zusammengefasst können betriebswirtschaftliche Prinzipien wertvolle Orientierung bieten, dürfen jedoch nicht eins zu eins auf eine Gemeinde übertragen werden. Öffentliche Finanzen bewegen sich stets im Spannungsfeld zwischen wirtschaftlicher Vernunft, politischer Verantwortung und gesellschaftlichem Auftrag.
Welche grossen Themen stehen in Winznau in den nächsten ein, zwei Jahren auf der Agenda?
Da kommen mir vorwiegend drei Themen in den Sinn. Nach der erfolgreichen Annahme der Steuererhöhung an der Gemeindeversammlung im Dezember gilt es nun, die Gemeindefinanzen kurzfristig zu stabilisieren. Dies stellt angesichts der weiterhin zu erwartenden Kostensteigerungen in den Bereichen Gesundheit und Soziales eine grosse Herausforderung dar. Insbesondere diese Entwicklungen bereiten mir Sorgen, da sie für eine Gemeinde wie Winznau zunehmend kaum mehr tragbar erscheinen. Allein in diesen beiden Bereichen verzeichneten wir seit 2019 einen Kostenanstieg von rund CHF 900’000.
Als zweites zentrales Thema sehe ich die laufende Ortsplanungsrevision. Diese eröffnet – auch im Zusammenhang mit den Gemeindefinanzen – wichtige Chancen. Durch eine strategische Nutzung der verfügbaren Flächen, sei es für Wohnbauprojekte, Gewerbeansiedlungen oder gezielte Wertsteigerungen, kann die Gemeinde zusätzliche Einnahmen generieren und das Eigenkapital nachhaltig entlasten. Gleichzeitig bietet die Ortsplanungsrevision die Möglichkeit, die langfristige Ortsentwicklung aktiv zu steuern, die Lebensqualität zu sichern und eine geordnete Siedlungsentwicklung zu gewährleisten.
Als dritten und abschliessenden Punkt möchte ich die Schulraumplanung nennen. Auch sie steht in direktem wie indirektem Zusammenhang mit den Finanzen sowie der Ortsplanungsrevision. Die bestehenden Schulgebäude entsprechen den heutigen Anforderungen nicht mehr, weder in Bezug auf die pädagogischen Bedürfnisse von Schule und Unterricht noch hinsichtlich der gebäudetechnischen Standards, die im Jahr 2026 erwartet werden.
Interview: David Annaheim
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