Fritz Gassmann
Was steckt eigentlich hinter Künstlicher Intelligenz?
Thomas Marbet.
Bild: da
Im grossen Jahresinterview spricht Stadtpräsident Thomas Marbet über Themen, die Olten im vergangenen Jahr bewegten, und blickt zuversichtlich in die Zukunft der Dreitannenstadt.
Thomas Marbet, vor rund einem Jahr hat der neue Stadtschreiber seine Arbeit aufgenommen. Hat er sich gut in der Verwaltung eingelebt?
Unser Stadtschreiber Ramon Christen ist sehr gut gestartet und ich habe auch das Gefühl, dass er «angekommen» ist. Er ist für mich eine grosse Stütze als meine rechte Hand und leitet eine Direktion, die sehr gross und divers ist – von der Sicherheit über das Archiv bis hin zur Feuerwehr ist vieles enthalten. Er ist auch sehr effizient sowie fit, was die Digitalisierung betrifft, wo er auch in den entsprechenden Projekten mitarbeitet. Er war die richtige Wahl – ich bin happy, der Stadtrat ist happy und er hoffentlich auch.
Im Februar tauschte sich der Stadtrat erstmals mit dem neu geschaffenen Migrationsbeirat aus. Welche Inputs von diesem hat er aufgegriffen?
Die Zuständigkeit für den Migrationsbeirat wurde jüngst vom Präsidium in die Direktion Soziales verschoben, nicht weil es eine Verbindung zur Sozialhilfe darstellen soll, sondern weil sich dieses Amt mitunter auch um das Thema Gesellschaft kümmert. Wir haben die Mitglieder bis anhin als sehr engagiert wahrgenommen, die viele Ideen einbringen. Aktuell sind wir in einer Phase, in der es darum geht, sich als Migrationsbeirat ein wenig zu konsolidieren und zu portionieren. Es wurden teilweise auch Ideen eingebracht, zum Beispiel ein Mittagstisch, die wir als Stadt bereits verfolgen. Ziel ist aktuell, einen Weg zu finden, wie wir den Beirat auf eine passende Weise einbinden können. Dies geht aber nicht in ähnlicher Weise wie bei einer Kommission wie der GPK (Geschäftsprüfungskommission), da dies den Prozess der Geschäfte enorm verzögern würde. Aber der Beirat kann uns nützliche Hinweise geben, zum Beispiel, ob es möglich ist, den Internet-Auftritt der Stadt auch in einer anderen Sprache anbieten zu können.
Im März wurden alle Stadträte, die für eine weitere Amtszeit angetreten sind, locker wiedergewählt. Wie haben Sie dieses Resultat wahrgenommen?
Eine Wahl ist immer auch eine Bestätigung und zeigt womöglich auch, dass die öffentliche Wahrnehmung, in der die Kritik nicht immer leise ist – etwa in den sozialen Medien – entsprechend einzuordnen ist. Im Prinzip sind die Wahlen für uns Stadträte ein Mitarbeitergespräch mit unserem Arbeitgeber, sprich der Bevölkerung. Kritik darf sein, aber ich höre auch viel Wertschätzung. Die Einwohnenden bedanken sich, dass wir uns für sie einsetzen, auch wenn sie nicht stets mit allem einverstanden sind, was wir tun.
Auch der Citymanager war 2025 wieder aktiv, im April wurde etwa der erste Tag der Oltner Modemeile durchgeführt. Welche Zwischenbilanz zum als dreijährigen Versuch angelegten Citymanagement ziehen Sie nach rund der Hälfte der Zeit?
Ja, wir sind immer noch in der Versuchsphase und es gibt auch noch keinen definitiven Vorschlag, ob und wie es über die Versuchsperiode hinaus weitergehen soll. Citymanager Benjamin Pipa ist in der Stadt jedoch sehr sichtbar und aktiv. Sei es die Modemeile, der Kürbismarkt oder jüngst die Aktivitäten in der Weihnachtszeit mit dem Adventsbähnli. Und ich meine auch, dass die Finanzierung gut geregelt ist mit 40'000 Franken durch die Stadt und 20'000 Franken durch den Gewerbeverein – zudem hat der Citymanager auch selbst noch weitere Sponsoringgelder für Projekte hereingeholt.
Und bemerkenswert: Obwohl sich das Projekt Citymanagement noch immer in der Versuchsphase befindet, wurde bereits das Reglement der städtischen Übernachtungstaxe angepasst, mit dem expliziten Ziel, dem Citymanager noch mehr Ressourcen bereitstellen zu können.
Dieser positive Entscheid zur Reglementsanpassung, gestützt vom Gemeinderat, zeigt auf, dass die Belebung durch den Citymanager spürbar ist. Er hat zum Oltner Gewerbe auch einen guten Zugang und stellte sich bei allen persönlich vor. Dadurch, dass er nicht aus der Region stammt, hat er einen erfrischenden Blick von aussen, ohne voreingenommen zu sein. Zudem ist er Teil des gemeinsamen runden Tischs von Stadt, Gewerbe, Wirtschaftsförderung und neu auch Olten Tourismus – ein gutes Gefäss für den gemeinsamen Austausch.
Ab Mitte Mai verwandelte die Piazza Munzinger den gleichnamigen Platz teilweise in eine «urbane Begegnungszone». In der Auswertung zum Projekt war leicht kryptisch die Rede davon, dass «Hinweise auf eine positive Wechselwirkung zwischen dem Aufenthalt auf dem Platz und Einkäufen in der Innenstadt» auf einen Nutzen für das lokale Gewerbe hindeuten. Was sind dies für konkrete Hinweise?
Diese Schlussfolgerung basiert mitunter auf einer durchgeführten Umfrage, die während dem Piazza-Betrieb ausgefüllt werden konnte.
Eine Umfrage mit teils sehr beschränkter Aussagekraft. Wenn danach gefragt wird, ob man vor oder nach dem Besuch der Piazza in Olten etwas eingekauft hat, aber nicht, ob man auch ohne Piazza einkaufen gegangen wäre, hätte man sich derlei Fragen auch gleich sparen können...
Das Ganze ist nicht statistisch bestärkt oder erhärtet, aber es gab durchaus viele Stimmen, die sich freuten, dass es einen Platz gibt, auf welchem man sich an einem schönen Nachmittag hinsetzen kann – etwa, um in einem Buch zu lesen, das man soeben in einem der anliegenden Bücherläden gekauft hat. Und auch sonst konnten auf der Piazza Veranstaltungen abgehalten werden, die viel Volk anlockten. Entsprechend werden wir das Projekt in diesem Jahr in einem ähnlichen Umfang wiederholen und hoffen, dass die Vereine das Angebot noch stärker nutzen werden.
Im Juni verkündete der Stadtrat, dass er den Vögeligarten weiterentwickeln will. Ist nun, nach dem Nein zur Volière-Initiative, klar, wie diese Entwicklung aussehen soll?
Unter anderem im Rahmen des Planungscafés und vielerlei weiterer Gespräche hat die Stadt mit Unterstützung des Planteams zahlreiche Lösungsansätze zur Weiterentwicklung des Vögeligartens zusammengetragen. Dies umfasst auch das Areal der Volière. Das daraus resultierende Nutzungskonzept ist nun seit diesem Mittwoch auf der Website der Stadt einsehbar.
Im Juli kündigte die Stadt an, den idealen Standort für den City-Träff an der Stationsstrasse nahe des Bahnhofs Hammer gefunden zu haben, um die Situation am Kirchensockel zu entschärfen. Ist schon klar, ab wann die Räumlichkeiten für die betroffenen Personen zugänglich sein werden?
Die Räumung der Liegenschaft konnte im Dezember abgeschlossen werden, es waren dort unter anderem noch Akten gelagert, die ins Archiv verschoben werden mussten. Anschliessend starteten die baulichen Massnahmen. Es ist vorgesehen, die Räumlichkeiten im Februar dem Verein zu übergeben.
Im August fand wieder die beliebte Chilbi statt. Welchen Bezug haben Sie eigentlich zum Oltner Traditionsanlass schlechthin? Wo trifft man Sie dort an? Eher auf dem Riesenrad oder am Boxautomaten?
Ich war schon als Kind ein Chilbi-Gänger. Auch heute noch schaue ich gerne vorbei und gehe stets einmal aufs Riesenrad. Das letzte Mal war ich zudem auch auf dem 80 Meter hohen Kettenkarussell – sehr eindrücklich! Ebenfalls stets schön ist der Chilbi-Gottesdienst am Sonntag mit dem Schausteller-Pfarrer, genauso der Schausteller-Empfang am Samstagmittag, an welchem ich den Dank der Stadt überbringen darf. Und nicht zuletzt gebührt der Dank auch den vielen Vereinen, welche während der Chilbi-Zeit grossen Einsatz leisten.
Apropos Chilbi: Im September wurde der Testplanungsbericht für das Gebiet Schützi/Hausmatt veröffentlicht. Das Gebiet soll einerseits lebendiger werden, andererseits sollen die Parkplätze praktisch halbiert werden. Was würden diese Veränderungen voraussichtlich für die Chilbi – aber auch für die Badigäste bedeuten?
Momentan läuft die Arbeit am Masterplan noch; mitunter wird aber auch die Option eines Parkhauses bei der Rötzmatt eingangs ERO (Entlastungsstrasse) geprüft. Was die Gestaltung des Platzes in der Schützi betrifft, sollte meiner Meinung nach das Durchführen von Grossanlässen wie der Chilbi künftig nach wie vor möglich sein.
Bezüglich der Badi bin ich mir bewusst, dass das Auto für eine auswärtige Familie mit Kindern und Schwimm-Utensilien entsprechende Vorteile mit sich bringt. Aber einerseits sollen ja nicht alle Parkplätze aufgehoben werden und andererseits muss man sich vielleicht auch daran gewöhnen, in der best-erschlossenen ÖV-Stadt das Auto gegebenenfalls an einem Ort abstellen zu müssen, von dem aus man ein paar Meter mehr zu Fuss absolvieren muss. Zudem wird die Badi ab der neuen Saison mit dem sanierten Garderobengebäude und dem umgebauten Restaurant an Attraktivität gewinnen.
Der Autoverkehr in Olten wird indes kaum abnehmen. Olten Südwest dürfte in den kommenden Jahren markant wachsen. Das Quartier ist zwar für Überbauungen ohne Balkone, aber nicht für Überbauungen ohne Tiefgarage bekannt.
Klar, mehr Einwohner bedeuten mehr Verkehr und anderweitige Ausgaben, aber auch mehr Kundschaft und höhere Steuererträge. Mit der Stadtteilverbindung Hammer wird zudem eine ideale Verbindung in die Innenstadt für den Langsamverkehr geschaffen, die dem Quartier den schnellen Zugang zur Innenstadt ermöglicht.
Im Oktober hätte die Notschlafstelle ohne notfallmässige Unterstützung durch das Sozialwerk Pfarrer Sieber schliessen müssen. Die Meinung des Stadtrats war jüngst, dass man die Notschlafstelle grundsätzlich unterstützen will, jedoch nicht als einzige Gemeinde. Das Parlament hat die Exekutive nun dennoch beauftragt, eine Leistungsvereinbarung mit entsprechender finanzieller Unterstützung aufzugleisen.
Es ist sehr schwierig, andere Gemeinden für eine Mitfinanzierung begeistern zu können. Diese Diskussion konnte beim Regionalverein Olten-Gösgen-Gäu gar nicht erst geführt werden, da es das Thema noch nicht mal auf die Traktandenliste geschafft hatte. Und im Einwohnergemeindeverband war ich – sofern ich mich richtig erinnere – der Einzige, der diesbezüglich Interesse bekundet hatte. Der vom Parlament erheblich erklärte Auftrag macht insofern Sinn, dass wir als Stadt ein Zeichen setzen. Handkehrum kann es aus Sicht des Stadtrats nicht das Ziel sein, langfristig als einzige Gemeinde auf den Kosten sitzen zu bleiben. Als Nächstes gilt es nun, gemäss Parlaments-auftrag eine Leistungsvereinbarung (LV) mit der Notschlafstelle zu erarbeiten. Da die finanziellen Auswirkungen der LV die Kompetenzen der Exekutive überschreiten, wird das Geschäft dann entsprechend nochmals dem Parlament vorgelegt werden.
Im November hat die Mehrheit des Gemeindeparlaments ein Budget mit einem Defizit von über acht Millionen Franken gutgeheissen. Im aktuellen Finanzplan kann der Stadtrat zudem keinen Weg aufzeigen, wie die Ausgaben der bevorstehenden Jahre finanziell nachhaltig gestemmt werden können. Müssen sich die Oltnerinnen und Oltner Sorgen machen?
Nein. Die Stadt verfügt aktuell über solide Finanzen. Damit dies so bleibt und der Stadtrat auch künftig noch Spielraum zur Weiterentwicklung der Service Public hat, stiess der Stadtrat eine Aufgaben- und Leistungsüberprüfung an. Bei der Präsentation seiner Legislaturstrategie wird der Stadtrat auch über die Ergebnisse dieser Prüfung informieren.
Im Dezember fanden wieder die Sportlerehrungen der Stadt Olten statt. Gibt es eine geehrte Person, die Ihnen besonders imponiert?
Alle geehrten Sportlerinnen und Sportler haben grossartige Leistungen vollbracht. Beeindruckt war ich mitunter von Schwinger Sinisha Lüscher, der ja auch bereits an der Bundesfeier der Stadt als Gast eingeladen war und dem wir eine besondere Urkunde überreichen durften. Aber auch Schiesssportlerin Emely Jäggi begeisterte mit ihren beeindruckenden Resultaten, die sie im vergangenen Jahr erzielt hatte.
Vor allem imponiert mir aber die Freiwilligenarbeit, die geleistet wird, insbesondere auch von all jenen, die im Hintergrund zum Erfolg beitragen.
Welche weiteren Highlights prägten das Jahr 2025?
Da gibt es viele. Die alle vier Jahre stattfindende Kulturpreisverleihung der Stadt, an welcher der Musiker Roman Wyss ausgezeichnet wurde. Wir durften zudem das Treffen der Gemeindepräsidien der Amtei Olten-Gösgen durchführen. Und auch der Besuch der Delegation von unserer Partnerstadt Altenburg ist immer ein schönes Erlebnis, dieses Mal machten wir mitunter einen Ausflug auf den Weissenstein. Zudem konnten wir erneut den Procap-Behindertensporttag durchführen. Weiter durften wir uns 2025 über den 20'000. Einwohner in Olten freuen. Und daneben gibt es natürlich die üblichen Verdächtigen mit der Fasnacht und der erwähnten Chilbi. Zudem erfreute das abwechslungsreiche Schulfest-Wochenende Jung und Alt bei bestem Wetter und das International Photo Festival Olten IPFO war ebenfalls wieder ein toller Anlass.
Mit welchen Herausforderungen sieht sich die Stadt in nächster Zeit konfrontiert?
Das Jahr 2026 steht sicherlich auch im Zeichen der Abstimmung über den Neuen Bahnhofplatz. Das 2025 vom Stimmvolk abgelehnte Projekt zur Entwicklung Bahnhof Süd in Solothurn gab uns ein wenig zu denken. Dennoch bin ich zuversichtlich, da die Situation doch ein wenig eine andere ist: Einerseits stimmen Kanton und Gemeinde gleichzeitig über das Projekt ab, andererseits hat der Bahnhof Olten als nationale Drehscheibe eine wohl noch höhere Bedeutung, ohne den Bahnhof in Solothurn kleinreden zu wollen.
Sie haben das letzte Wort.
Ich danke allen, die sich konstruktiv für Olten einsetzen, am Leben in der Stadt teilhaben und damit unsere Gemeinschaft stärken.
Interview: David Annaheim
Lade Fotos..