Gaby Kristandl
Sie führte durch das Jahreskonzert der MG Lostorf
Am vergangenen Montagabend, 3. November, würdigte die Stadt Olten im Josefsaal der Kirche St. Martin erstmals das ehrenamtliche Engagement für die Gemeinschaft mit einem «Prix Engagement Olten». Dabei wurden Roswitha Peier für ihr langjähriges Engagement als Einzelperson und in der Kategorie «Projekte» die Notschlafstelle Schlafguet ausgezeichnet.
Olten Samuel Steiner, Leiter der städtischen Fachstelle für Freiwilligenarbeit, moderierte die Premiere der Preisverleihung, während Joëlle Perret, Leiterin der Koordinationsstelle Freiwilligenarbeit des Kantons Basel-Stadt, ein Grusswort überbrachte. Letztere war quasi in der Funktion des stolzen «Gotti» vor Ort, denn in Basel wurde ein ähnlicher Preis, der «Prix Chappo», schon über 50 Mal vergeben. Stadtrat und Sozialdirektor Raphael Schär-Sommer war als Vertreter der Stadt zugegen und hielt in seiner Ansprache fest, dass die Stärkung und die Förderung der Freiwilligenarbeit ein zentrales Anliegen für den Stadtrat sei. Mit dem Prix Engagement Olten soll die Sichtbarkeit erhöht und die Wertschätzung ausgedrückt werden. 14 Projekte und 6 Einzelpersonen wurden insgesamt für den Preis nominiert. Voraussetzung für eine Nomination war, dass das Engagement gemeinnützig ist und vollständig oder mehrheitlich in Olten wirkt.
In der Kategorie Personen wurde Roswitha Peier ausgezeichnet. Seit 1973 engagiert sie sich unermüdlich in der Region Olten – in Vereinen, Kirchen und sozialen Institutionen. Für sie steht der Mensch im Mittelpunkt, unabhängig von Herkunft, Zustand oder Vergangenheit, so das Fazit der sechsköpfigen Preisjury.
«50 Jahre arbeitete sie im Spital, wo sie die Krankenbetten am Sonntag jeweils zum Gottesdienst schob. Sie hörte dabei zu und erfuhr viel persönliches Leid und Trauer. Doch sie versuchte immer wieder Leid zu lindern und zu trösten», hielt Jurymitglied Monique Rudolf von Rohr in ihrer Laudatio fest. Mit dem veränderten Verhältnis von der Gesellschaft zur Kirche fand dieser Einsatz im Spital schliesslich ein Ende. «In der Folge stellte sie ihre Arbeitskraft verschiedenen Institutionen zur Verfügung; immer mit ganzer Kraft und voller Hingabe», so Rudolf von Rohr. «Sei es bei den katholischen Suppentagen in Olten, wo sie vom Einkauf bis zum Kochen alles übernahm, bis hin zu Altersferien, in welchen sie für die Begleitung und Betreuung zuständig war – vom Stützstrümpfe anziehen bis zur Essenshilfe, Spaziergänge begleiten und der Medikamentenabgabe.»
Aber auch die reformierte Frauengemeinschaft sowie der Mütterverein Olten konnten während vieler Jahre auf ihre Unterstützung zählen. Weite rhalf sie bei den Weihnachtsmärkten im Kloster, beim Mittagstisch an den Schulen in Wangen und beim Turnverein kräftig mit. «Helfen ist in mir drin; ich kann nicht anders. Helfen tut mir gut», zitierte Rudolf von Rohr die Preisträgerin. Im Alters- und Pflegeheim Stadtpark unterstützt sie noch heute zweimal wöchentlich das Aktivierungsteam. Dort ist sie, genauso wie im Marienheim, auch in der Strickgruppe sowie im Kreativatelier mit von der Partie.
Abschliessend hält Monique Rudolf von Rohr fest: «Roswitha Peier ist eine aussergewöhnliche, zutiefst menschliche Frau, die all ihre Talente und Fähigkeiten der sie umgebenden Gemeinschaft zur Verfügung gestellt hat und dies noch immer tut.»
Als Preis erhielt sie einen Pokal, der symbolisch zwei Hände darstellt, welche die drei Stadttannen tragen. Zudem handelt es sich dabei um einen Wanderpokal, denn: «Freiwilliges Engagement darf auch weitergegeben werden und der Pokal soll Anlass dazu geben, vielleicht mit einem zukünftigen oder vergangenen Preisträger den Austausch zu suchen», erklärte Raphael Schär-Sommer. Überdies gibt es für die Preisträger eine Urkunde sowie Gutscheine von Gewerbe Olten.
In der Kategorie Projekte ging der Prix Engagement an die Notschlafstelle Schlafguet. Der Verein Schlafguet betreibt seit April 2024 in Olten eine Notschlafstelle, eine Notpension sowie eine Sozial-WG. Das Projekt wurde von Jurymitglied Theresa Späni gewürdigt: «‹Schlaf guet› ist ein Wunsch, den Sie und ich uns selbstverständlich zur Schlafenszeit sagen können. Das ist aber auch in unserer Stadt und Region nicht für jeden Menschen eine Selbstverständlichkeit. Diesen Menschen, Obdachlosen, sogenannt ‹Randständigen›, hat sich der Verein Schlafguet angenommen.»
Gegründet wurde der Verein im Jahr 2017 mit dem Ziel, eine Notschlafstelle zu schaffen. «Seit der Vereinsgründung haben die Beteiligten unermüdlich und in langwierigen Auseinandersetzungen nach einer Unterkunft für die Notschlafstelle gesucht. Denn Hand aufs Herz: Wenn es um sogenannt ‹Randständige› geht, löst dies immer Fragen, Widerstände und Diskussionen aus. Je nachdem, wer an welchem Rand der Betroffenheit steht, gibt es verständliche Gründe, zu respektierende Gründe, den potentiell neuen Nachbarinnen und Nachbarn gegenüber Vorbehalte, auch Ängste und Skepsis zu zeigen», erörterte Späni. Es sei somit ein langer Atem nötig gewesen, bis schliesslich an der Bleichmattstrasse ein Haus gefunden werden konnte. «Nebst einem professionellen Viererteam sind rund 30 Personen freiwillig im Einsatz. Jemand von ihnen unterstützt von 19 bis 8.30 Uhr das Team vor Ort, kocht Abendessen und erledigt kleinere Hausarbeiten. Nicht zu vergessen jene, die im Hintergrund Infrastrukturarbeiten erledigen. Ohne das freiwillige Engagement all dieser Menschen könnte die Notschlafstelle nicht betrieben werden. Und ein solches Engagement leistet wohl keine und keiner ohne inneres Feuer, Herzenskraft und die leidenschaftliche Überzeugung, dass ein Dach über dem Kopf nachts eigentlich ein Menschenrecht ist», resümierte Theresa Späni.
Die Preisverleihung wurde von benevol Aargau, der regionalen Fachstelle für freiwilliges Engagement in der Schweiz, organisiert. Aufgrund der positiven Erfahrungen der Premiere des Prix Engagement Olten soll der Preis nun auch im kommenden Jahr wieder vergeben werden.
David Annaheim
Personen:
Gökhan Karabas: Einsatz für das Miteinander zwischen Religionen und Kulturen.
Brigitta Pfäffli: Engagement als Seniorin in Klassenzimmern am HPSZ Olten; Begleitung einer geflüchteten syrischen Familie.
Siv Lehmann: Aktiv im Begegnungszentrum Cultibo, in der Koordinationsgruppe der Restessbar und im Vorstand der Vereine Kino Lichtspiele und LeONa; zudem Arkadis-Stiftungsrätin.
Ivan Lanz: Präsident des Vereins «City-Träff», engagiert sich seit Jahren für die Szene an der «Chilestäge» in Olten.
Andrea Frey: leitet seit 2013 die etablierte Mädchengymnastikgruppe SV Gym des Sportvereins Olten.
Projekte:
Verein Kino Lichtspiele: Zeigt seit 2009 anspruchsvolle Filme in Olten.
Interreligiöses Fastenbrechen: Seit 2017 ein Zeichen des Dialogs, des Friedens und der gegenseitigen Wertschätzung.
Zämegolaufe: Menschen ab 60 treffen sich 1 bis 2 Mal wöchentlich für Erlebnisse in der Natur, für ihre Gesundheit und neue Bekanntschaften.
Kolpingsfamilie Olten: Sie bietet einen Mittagstisch, eine Schreibstube und Spielnachmittage an.
Ludothek Olten: Dank dem Einsatz Freiwilliger können seit 1979 unzählige Spielsachen ausgeliehen werden.
Freundinnen und Freunde des Kapuzinerklosters: Setzen sich dafür ein, dass das ehemalige Kapuzinerkloster auch in Zukunft ein Ort der Begegnung und der Ruhe bleibt.
Kollektiv anané: Organisiert ein breites Spektrum unterschiedlicher Veranstaltungen, darunter Technopartys, Brunches, Filmabende, Quartierfeste oder auch Grümpelturniere.
Oltner Neujahrsblätter: Seit 1943 werden sie jährlich von einer freiwilligen Redaktionskommission und vielen engagierten Autorinnen und Autoren erstellt.
Treffpunkt Olten: Bietet bei der St. Martinskirche Deutschkonversation und administrative Unterstützung an.
Labor8: Fans der analogen Fotografie finden hier alles, was sie für ihre Leidenschaft benötigen; zudem finden regelmässig Workshops und Veranstaltungen statt.
Naturfreundehaus Olten: Wurde diesen Sommer von zahlreichen Freiwilligen umgebaut und renoviert.
Café International: Findet regelmässig im Begegnunszentrum Cultibo statt, wo sich Menschen mit unterschiedlichen Muttersprachen begegnen und ihre Sprachkompetenzen verbessern.
Gruppe im Graben: organisiert seit 2019 jedes Jahr im Sommer kostenlose Konzerte im Oberen Graben.
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