Heinz Schoenenberger
Oltens "Wetterhexe" Metzina Wächter erhält ihre eigene Musik
Machen Metzina Wächter in Ton und Text lebendig: Heinz Schoenenberger (Dirigent Stadtmusik Olten) und Autorin Rebekka Salm vor dem Spittel der Säli-Zunft zu Olten. An diesem Standort soll die Wetterhexe der Sage nach seinerzeit auch das Unwetter herbeigeschworen haben.
Bild: da
Die Geschichte von «Wetterhexe» Metzina Wächter, die im 14. Jahrhundert mit einem Regensturm feindliche Truppen aus Olten vertrieben haben soll, wurde als historische Erzählung und musikalische Komposition neu aufgearbeitet. Doch was ist Fakt und was Fiktion?
Olten Wer war Metzina Wächter, die 1383 in Olten allein mit ihren Worten ein gewaltiges Unwetter heraufbeschworen und damit die feindlichen Truppen aus Bern in die Flucht geschlagen haben soll? Mit dieser Frage haben sich Bestsellerautorin Rebekka Salm und Heinz Schoenenberger, Dirigent der Stadtmusik Olten, in den vergangenen Monaten beschäftigt. Im Frühling 2025 fragte Schoenenberger die Autorin an, ob sie gemeinsam mit der Stadtmusik ein Projekt über Metzina Wächter realisieren wolle. «Im Leben nicht», dachte Salm zunächst. Eine Geschichte aus dem 14. Jahrhundert erfordere umfangreiche Recherchen: Wie waren die Häuser gebaut? Welche Kleidung trugen die Menschen? Welches Gemüse wurde angepflanzt? Die Kürbisse seien später jedenfalls aus ihrem Manuskript gestrichen worden, erzählt sie schmunzelnd.
Dass Salm dennoch zusagte, lag an ihrer Tochter. Diese berichtete kurz nach der Anfrage Schoenenbergers, dass die Sage von Metzina Wächter in der Schule behandelt worden sei – allerdings nur oberflächlich. Dieser Frust weckte bei der Autorin die Lust, sich näher mit der geheimnisvollen Frau auseinanderzusetzen.
Die bescheidene Quellenlage dürfte mit ein Grund dafür sein, dass die Sage im Unterricht bisher kaum vertieft wird. In der zwischen 1420 und 1430 entstandenen Berner Chronik von Konrad Justinger steht, dass dem Grafen Berchtold von Kyburg während der Belagerung Oltens durch die Berner von einer Frau mit besonderen Fähigkeiten berichtet wurde. Der Graf liess sie heimlich zu sich rufen und versprach, sie weder zu verraten noch ihr etwas anzutun, wenn sie ihre Kräfte einsetze. «1383 war noch vor der Zeit der eigentlichen Hexenverfolgungen, diese starteten erst um die 1420er-Jahre», erklärt Salm. Dennoch sei Zauberei schon damals als unredlich, feige und unchristlich betrachtet worden. Gemäss der Chronik stellte sich die Frau daraufhin auf die Oltner Stadtmauer und beschwor ein Unwetter herauf, das grösste, das das Land je gesehen habe. Die belagernden Truppen seien daraufhin geflohen.
Der Name Metzina Wächter taucht allerdings erst in einer späteren Quelle auf: In einem Brief vom November 1384 wird eine Frau dieses Namens erwähnt, die in der Stadt Solothurn Urfehde schwor. Sie verpflichtete sich, an niemandem Rache zu nehmen und das Solothurner Gebiet zu verlassen. Dank der Fürsprache ehrbarer Solothurnerinnen kam sie frei. Weshalb sie angeklagt worden war, ist jedoch unbekannt.
«Dass die beiden Frauen ein und dieselbe Person waren, ist eher unwahrscheinlich», sagt Salm. Im Laufe der Jahrhunderte habe der Volksmund die beiden Geschichten jedoch miteinander verknüpft. So sei aus Metzina Wächter schliesslich die Oltner Wetterhexe geworden. Auch der sogenannte Oltner Hexenturm entstand erst 1545 – lange nach den Ereignissen, die sich dort zugetragen haben sollen.
Bei ihren Recherchen wurde Salm tatkräftig vom früheren Oltner Stadtarchivar Martin Eduard Fischer unterstützt. Dieser hat seine Erkenntnisse zur Wetterhexe übrigens ebenfalls in einem Beitrag festgehalten, der in den bevorstehenden Oltner Neujahrsblättern erscheinen wird.
Für Salm war das Leben Metzina Wächters somit weitgehend ein unbeschriebenes Blatt. «Während Lücken für Historiker wohl ein Ärgernis sind, bieten sie für Autoren Platz für Erfindung», sagt sie. Als Leitsatz dienten ihr die Worte der verstorbenen Solothurner Schriftstellerin Gertrud Wilker: «In einer Geschichte erzählt man das, was man gerne gewusst hätte.» Gleichzeitig war es Salm wichtig, dass die Leserschaft den Eindruck erhält, die Geschichte könnte sich tatsächlich so abgespielt haben. So entstand am Ende die 128-seitige Erzählung «Metzina» über eine unbequeme, kluge und widerständige Frau aus dem 14. Jahrhundert.
Auch Heinz Schoenenberger blieb seit seiner Anfrage bei Rebekka Salm nicht tatenlos. Am 29. November vereinen sich die Stadt- und Jugendmusik Olten zu einem rund 100-köpfigen Orchester. Höhepunkt ist die Uraufführung von Schoenenbergers rund 15-minütigem Werk «Metzina». Die Komposition basiert auf Salms Erzählung und kommt im Stil einer Filmmusik daher.
«Die Protagonistin hat ihr eigenes Leitmotiv, eine Melodie, die zu Beginn jugendlich-frisch und scheu daherkommt und immer wieder aufgegriffen wird», erklärt der Dirigent der Stadtmusik. Auch das Unwetter werde musikalisch aufgegriffen – allerdings weniger als vernichtendes Ereignis, sondern als positiver, heroischer Sturm, der Olten befreit. Insgesamt sei seine Komposition romantisierender als Salms Erzählung. «Ich wollte Rebekka auch eine Liebesgeschichte unterjubeln, was sie jedoch vehement ablehnte», erzählt Schoenenberger schmunzelnd.
Ein grosses Lob richtet Heinz Schoenenberger bereits vor der Uraufführung an die Jugendmusik und ihren Dirigenten Beat Kohler. Das Stück sei zwar mit der Jugendmusik im Hinterkopf geschrieben und der Schwierigkeitsgrad entsprechend angepasst worden. Dennoch handle es sich um eine komplexe, viertelstündige Komposition, welcher die Jugendlichen mit grosser Sorgfalt und Konzentration begegnet seien.
David Annaheim
Wann: So, 29. Nov., 16 Uhr (Türöffnung 15.30 Uhr).
Wo: Stadtkirche Olten.
Dirigenten: Beat Kohler (Jugendmusik)/ Heinz Schoenenberger (Stadtmusik).
Moderation: Rebekka Salm.
Eintritt: frei, Kollekte.
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