Heinz Schoenenberger
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Die Busbetrieb Olten Gösgen Gäu AG erneuert ihre Flotte und setzt dabei auf Elektroantrieb, moderne Assistenzsysteme und mehr Komfort. Doch was ändert sich für die Fahrgäste und das Fahrpersonal konkret?
Olten Es ist eine Ansage, welche die Busbetrieb Olten Gösgen Gäu AG (BOGG) im Rahmen der Inbetriebnahme ihrer neuen eBus-Flotte des Modells «MAN Lion's City Bus 18 E» vergangene Woche vor der Oltner Stadtkirche macht: «Nahverkehr der Extraklasse». Als wäre dies des Selbstvertrauens nicht genug, prangen an einem speziell folierten Bus – auf den Namen «AareLand» getauft – fünf unübersehbare goldene Sterne. Aber was hat sich für die Passagiere wie auch für die Mitarbeitenden der BOGG denn nun genau verändert?
Zuallererst sticht die Umstellung auf den Elektroantrieb ins Auge. Es sind zwar nicht die ersten eBusse der Stadt: Fünf davon wurden bereits vor vier Jahren in Betrieb genommen. Doch handelt es sich nun erstmals um grosse Gelenkbusse, und auch die Bestellungsgrösse kann sich sehen lassen. Bis zum Fahrplanwechsel Ende Jahr sollen zehn neue Elektrofahrzeuge auf den BOGG-Buslinien verkehren, bis Mitte 2027 sollen 25 neue Busse im Einsatz stehen. «Wer selbst schon auf ein Elektroauto umgestiegen ist, hat selbst gemerkt, wie gross diese Umstellung ist», hält Verwaltungsratspräsidentin Kathrin Saner fest. Man müsse etwa nicht mehr in Tankfüllungen, sondern in Ladedauer und Umlaufplanung denken. Entsprechend gross sei die Herausforderung für die Mitarbeitenden, diese Umstellungen im laufenden Betrieb vorzunehmen, ohne dass sich dies bei den Fahrgästen negativ bemerkbar mache.
Sei früher bei der Busbeschaffung der Motor und die Technik im Vordergrund gestanden, gebe es heute noch ganz anderes zu berücksichtigen. «Niemand steigt deswegen in den Bus, sondern wegen des Komforts und des guten Fahrgefühls», so Kathrin Saner. Apropos Komfort: Die BOGG setzt auf gepolsterte Sitzbezüge mit Materialien von der in Langenthal beheimateten Lantal AG. Das ist keine Selbstverständlichkeit. Der Busbetrieb Aarau etwa hat bei der Inbetriebnahme seiner 15 neuen eBusse Anfang 2024 Holzsitze eingeführt, da diese mitunter pflegeleichter sind. Da die Fahrgäste in der Folge jedoch mehr rutschten, kam jüngst ein «Antirutsch-Spray» zum Einsatz, welches das Problem beheben soll.
Gemäss Kathrin Saner sei es allerdings keine leichte Aufgabe, allen Ansprüchen der Fahrgäste mit einem Fahrzeug gerecht zu werden, zumal diese sich stark unterscheiden würden: von den Eltern mit Kinderwagen über Schülergruppen bis zu den älteren Fahrgästen mit Gehhilfe.
Als Hauptaktionärin der BOGG kommt an der Flottentaufe die Stadt Olten, vertreten durch Stadtpräsident Thomas Marbet, zu Wort. «Zuverlässige Umstiegsbeziehungen sind für die an der BOGG beteiligten Gemeinden wichtig. Bei Firmenbesuchen stellen wir immer wieder fest, dass die Unternehmen darauf angewiesen sind, dass ihre Mitarbeitenden pünktlich vor Ort sind.»
Neu verfügen die Busse über Rollator-Halter im vorderen Stehplatzbereich. An diesem «rollator-rest» genannten System kann die Gehhilfe unkompliziert befestigt werden, sodass sich der Rollator während der Fahrt nicht selbstständig macht. Derweil sorgen zahlreiche USB-Ladebuchsen dafür, dass die Handys und Laptops der Passagiere während der Fahrt geladen werden können. Der hintere Stehbereich wird nun zudem als «Kinderecke» bezeichnet und wurde mit Dschungeltieren foliert.
Eine grosse Neuerung für das Fahrpersonal: Die klassischen Rückspiegel sind Geschichte und werden durch entsprechende Kameras und Bildschirme ersetzt. Der Bus sei ein «technologisches Meisterwerk», das mit zahlreichen Fahrassistenzsystemen wie Fussgängererkennung, Abstands- und Temporegelung, aber auch mit einer Ambientebeleuchtung und dem neuesten Kundeninfosystem ausgestattet sei, erklärt BOGG-Direktor Roman Fischer, der bei den neuen Bussen mit einer Lebensdauer von 14 Jahren rechnet.
Marcel Kolb, Technik-Spezialist der BOGG, ging näher auf die Fahrzeugspezifikationen ein. Die neuen Busse haben eine Batterieleistung von 620 Kilowattstunden, wobei die Batterien alle auf dem Dach verbaut sind. Dies führe zu mehr Freiraum und Platz für die Fahrgäste. Weiter verfügen die Fahrzeuge über einen Zweiachsantrieb, was insbesondere im Winter von Vorteil sei.
Apropos Winter: Wo bei Dieselfahrzeugen die erzeugte Wärme zum Heizen genutzt werden konnte, muss diese bei Elektroautos auf Kosten von Reichweite erzeugt werden. In den letzten Jahren hätten gemäss Marcel Kolb aber ohnehin praktisch alle Verkehrsbetriebe die Raumtemperaturen heruntergefahren, so Marcel Kolb. Auch aufgrund der Rückmeldungen der Fahrgäste. Wer in Winterkleidung verpackt den Bus betritt, habe bei 22 bis 24 Grad schlicht zu warm.
Und was die Reichweite betrifft: Die Busse sollen den ganzen Tag über ohne Ladevorgang im Einsatz stehen können. So erzeugen die Busse durch Rekuperation beim Bremsen selbst Strom, was die Einsatzzeit entsprechend verlängert. Das Laden erfolgt derweil über Nacht im Busdepot in Wangen. Hierfür wurde durch die Industriellen Werke Basel eine Ladeinfrastruktur mit 3,6 Megawatt Leistung installiert, die gleichzeitig 36 Busse laden kann.
David Annaheim
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