Bruno Rölli
Er konnte seinen Gravurladen in neue Hände übergeben
Daniel Probst.
Bild: zvg
Mitte des 19. Jahrhunderts begann sich Olten grundlegend zu verändern. Die Werkstätte der Schweizerischen Centralbahn und der Eisenbahnknoten zogen Menschen und Unternehmen an. Später kamen Industriebetriebe wie von Roll, Sunlight oder Berna hinzu. Olten wurde zum wichtigen Wirtschaftsstandort und Verkehrsknotenpunkt.
Die Entwicklung hat damals längst nicht alle begeistert. Die Eisenbahn brachte Arbeit und Wohlstand, aber auch Lärm und veränderte das Stadtbild nachhaltig. Trotzdem wurde gebaut, investiert und ausprobiert. Ohne diesen Mut wäre Olten nicht dort, wo es heute ist.
Manchmal frage ich mich, wo dieser Mut geblieben ist. Die Voraussetzungen wären hervorragend. Die Schweiz liegt im Global Innovation Index seit 15 Jahren auf Rang 1. Wir haben in Olten eine starke Fachhochschule, innovative Unternehmen, gut ausgebildete Fachkräfte und politische Stabilität.
Und trotzdem tun wir uns mit Neuem oft sehr schwer. Das zeigt sich beim neuen Bahnhofplatz Olten, der zur Mobilitätsdrehscheibe erster Güteklasse ausgebaut werden soll. Bei der Kernenergie, wo das innovationsfeindliche Technologieverbot aufgehoben werden soll. Oder bei den Windkraftinitiativen, die den Ausbau wintertüchtiger erneuerbarer Energien bremsen wollen. Kritik gehört zur Demokratie. Dauerverhinderung nicht. Wenn bei jeder Veränderung zuerst die Gründe dagegen gesucht werden, kommen wir irgendwann nicht mehr vorwärts.
Fortschritt gibt es nicht zum Nulltarif. Wer sichere Energie, attraktive Städte, gute Verkehrsverbindungen, Arbeitsplätze und Wohlstand will, muss akzeptieren, dass Veränderung stört, Geld kostet und Risiken mit sich bringt. Wir können nicht Versorgungssicherheit fordern und Kraftwerke bekämpfen, bessere Mobilität verlangen und Verkehrsprojekte verhindern oder wirtschaftlichen Erfolg erwarten und Investitionen erschweren.
Die Schweiz ist erfolgreich geworden, weil Generationen vor uns etwas gewagt haben. Diesen Mut brauchen wir wieder. Wer Wohlstand erhalten will, muss Fortschritt zulassen.
Daniel Probst, FDP Olten
Nächste Woche:
Die Mitglieder der Oltner Ortsparteien schreiben abwechselnd «Blickwinkel»-Kolumnen in der NOZ. In der kommenden Ausgabe an der Reihe: die Fraktion SP/JSP.
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