Andreas Schindelholz
Er ist als Armeeseelsorger im Einsatz
Tobias Käser.
Bild: zvg
15 oder 100 Millionen – diese beiden Zahlen dominieren die Debatte über das Kita-Gesetz im Kanton Solothurn. Das Abstimmungsbüchlein spricht von 15 Millionen Franken, das Nein-Komitee wirft mit einer Hundert-Millionen-Zahl um sich, ohne eine annähernd nachvollziehbare Berechnung vorzulegen. Stringent nach dem Motto: je grösser die Zahl, desto grösser die Angst. Das sorgt für Schlagzeilen – lenkt aber vom eigentlichen Thema ab. Denn die entscheidende Frage lautet nicht: «Was kostet das Kita-Gesetz?», sondern «Was bringt uns das Kita-Gesetz?»
Heute ist Solothurn Schluss-licht in der Schweiz. Nur rund 15 Prozent der Kinder besuchen eine öffentliche Kita. Für Eltern bedeutet das häufig die Wahl: arbeiten oder zuhause bleiben. Für Kinder bedeutet es oft: weniger Chancengleichheit. Dabei zeigen zahlreiche Studien und die Praxis in anderen Kantonen längst: frühkindliche Betreuung lohnt sich – ökonomisch, gesellschaftlich und menschlich.
Ein Franken, der heute in die familienergänzende Kinderbetreuung fliesst, bringt langfristig zwei bis drei Franken zurück. Eltern können erwerbstätig bleiben, Unternehmen profitieren von mehr Fachkräften, der Staat von höheren Steuereinnahmen. Gleichzeitig sinken Ausgaben für Sozialhilfe oder Integrationsmassnahmen. Vor allem aber erhalten Kinder bessere Startchancen, was wissenschaftliche Untersuchungen bestätigen. Kinder entwickeln bessere sprachliche, soziale und kognitive Fähigkeiten – das spüren wir alle langfristig. Vielfalt, Integration und die Förderung von Talenten beginnen bei den Kleinsten.
Das Kita-Gesetz ist deshalb kein teurer Luxus, sondern eine Brücke: zwischen Familie und Beruf, zwischen Gegenwart und Zukunft. Jeder neue Kita-Platz macht den Kanton Solothurn nicht ärmer, sondern stärker.
Darum ist die wichtigste Frage vor der Abstimmung schlicht: Wollen wir weiter das Schluss-licht bleiben – oder wollen wir in unsere Kinder, unsere Familien und in die Zukunft unseres Kantons investieren?
Tobias Käser, GLP Olten-Gösgen
Nächste Woche:
Die Mitglieder der Oltner Ortsparteien schreiben abwechselnd «Blickwinkel»-Kolumnen in der NOZ. In der kommenden Ausgabe an der Reihe: die Fraktion Grüne/Junge Grüne.
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