Bruno Rölli
Er konnte seinen Gravurladen in neue Hände übergeben
Nach 15 Jahren, in denen Bruno Rölli seinen Schilder- und Gravurladen «Gravomobil» alleine führte, hat er sein Geschäft nun an zwei junge Nachfolger übergeben, welche dieses an Ort und Stelle an der Bleichmattstrasse 6 in Olten weiterführen werden.
Olten Wer in der Region Olten ein Namensschild am Briefkasten hat oder in den vergangenen Jahren schon mal einen Pokal an einem lokalen Grümpelturnier in die Höhe stemmen durfte, bei dem ist die Chance gross, dass der heute 67-jährige Bruno Rölli seine Finger im Spiel hatte. Aber was hat es eigentlich mit dem «Gravomobil» auf sich, das dem Laden seinen Namen gab? «Vor der Ladeneröffnung an der Bleichmattstrasse 6 gravierte mein Vorgänger zuerst noch direkt aus einem VW-Bus heraus», klärt Bruno Rölli auf.
Als Bruno Rölli den Laden schliesslich 2011 übernahm, tat der gelernte Bäcker-Konditor dies aus der Arbeitslosigkeit heraus. «Ich musste mich 15-mal an meinem Rücken operieren lassen, weshalb mich niemand mehr anstellen wollte», erinnert sich Rölli an die schwierige Zeit vor seiner Graveur-Karriere. «Am 1.11.2011 lief ich dann mit meiner Frau am Schaufenster des Gravomobil-Shops vorbei, als wir ein Schild mit der Aufschrift ‹Nachfolger gesucht› erblickten. Zufälligerweise lief der Ladenbesitzer gerade um die Ecke und ich sprach ihn darauf an.» Kurze Zeit später war die Übernahme bereits beschlossene Sache. Doch bevor sich Rölli in der Übergangsphase alles Wissen aneignen konnte, sei sein Vorgänger von heute auf morgen plötzlich nicht mehr im Laden erschienen. «Ich war im Fahrwasser und musste mir alles selbst beibringen. Meine Partnerin unterstützte mich dann nach Möglichkeit, da sie selbst zuvor schon Erfahrungen im Gravieren gesammelt hatte.»
Nach der Übernahme folgte zwar noch eine 16. Rückenoperation, doch Rölli blühte in seinem neuen Metier regelrecht auf. Aber wehe, es wollte in den Anfangsmonaten etwas nicht nach Wunsch gelingen. «Dann wurde halt geflucht und das Schild neu gemacht, bis ich damit
zufrieden war», so Rölli.
Als eines Tages ein Vertreter den Laden betrat und dem damals über 50-jährigen Rölli sagte: «Jesses Gott, endlich wieder mal ein Junger in der Branche», wurde ihm klar, dass kein anderer Graveur in der Region jünger als 70 Jahre war. So kam es, dass in den darauffolgenden Jahren Geschäft um Geschäft den Betrieb einstellte. «Deren Kundschaft meldeten sich deshalb fortan bei mir, wenn neue Beschilderungen benötigt wurden. Dank des gewachsenen Kundenstamms konnte ich mir schliesslich eine Lasergraviermaschine und weitere Gerätschaften zulegen.» Was ihm dabei stets wichtig war: «Alles, was sich hier im Laden befindet, ist bezahlt.»
Gleichzeitig war Rölli auch klar, dass er rechtzeitig eine Nachfolge suchen musste, damit er seinen Laden dereinst nicht ebenfalls mit 70 Jahren schliessen müsste. «Mit 64 begann ich, eine Nachfolge zu suchen. Ich führte über 30 Gespräche, von denen am Ende keines fruchtete. Die einen wollten das Geschäft in Raten abzahlen, für andere war die Arbeit zu anstrengend – denn meine Arbeitstage dauerten jeweils mindestens zehn Stunden.»
Für Rölli war ebenfalls klar, dass er sein berufliches Erbe an junge Leute übergeben wollte, die das Geschäft noch weiter steigern wollten. Und: «Mein grosser Stolz ist, dass das Geschäft in Olten bleibt. Überall ist zu lesen, dass die Läden wegsterben. Ich hätte meinen Laden längst nach Basel und Zürich verkaufen können, aber ich wollte, dass er hier bleibt. Ich wollte meine guten Kunden nicht im Stich lassen. Und das habe ich geschafft – ganz ohne die Unterstützung der Stadt.» Einzig sein Umfeld habe ihm unter die Arme gegriffen, als es bei der Nachfolgeregelung darum ging, die ganze Bürokratie und die vertraglichen Angelegenheiten abzuwickeln.
Ob es nun Zufall oder Schicksal war – die Art und Weise, wie Bruno Rölli zu seinen beiden Nachfolgern kam, erinnert stark daran, wie Rölli selbst in den Betrieb einstieg: «Als ich am Laden vorbeifuhr, war ein riesiges Schild ausgestellt, auf dem zu lesen war, dass ein Nachfolger gesucht wird», erzählt Michael Solenthaler aus Muhen, gelernter Polymechaniker und einer der zwei Nachfolger Röllis. «Es folgte ein positives erstes Gespräch mit Bruno und ich erzählte im Kollegenkreis von meinem
Vorhaben.»
Wenig später meldete sich mit Ivo Suter ein früher Weggefährte bei Solenthaler und bekundete ebenfalls sein Interesse. Er kümmerte sich beruflich zuletzt um die Digitalisierung bei verschiedenen Instituten. «Hier hast du diesbezüglich natürlich ebenfalls Potenzial, andererseits reizt es mich sehr, wieder etwas Physisches zum Anfassen in den Händen zu haben. Dies hat mir zuvor gefehlt», erklärt Ivo Suter sein Interesse. Suter wohnt inzwischen zwar in Winterthur, kennt Michael Solenthaler aber bereits seit der gemeinsamen Spielgruppenzeit in Muhen.
Als also auch Ivo Suter im Gravomobil-Shop vorbeischaute und sich erkundigte, hielt sich die Begeisterung Röllis zuerst in Grenzen: «Ich habe ihm vorgängig schon am Telefon gesagt, dass ich das Geschäft sicher nicht nach Winterthur verkaufen werde», lacht Rölli. «Aber weil er unbedingt hierherkommen wollte, habe ich ihn natürlich nicht daran gehindert.» Relativ schnell hat dann auch Suter klargemacht, dass der Laden wegen der Kundschaft in Olten bleiben müsse. Als Suter und Solenthaler schliesslich beichteten, dass sie das Geschäft gemeinsam übernehmen möchten, setzte sich das Puzzle langsam zusammen.
Seit dem 30. September ist es nun offiziell und der Vertrag ist signiert: Per 1. Oktober haben Michael Solenthaler und Ivo Suter das Geschäft von Bruno Rölli übernommen und im Gleichzug in eine GmbH umgewandelt. In den kommenden Wochen wird Rölli aber gleichwohl noch dann und wann vor Ort anzutreffen sein. Sein Know-how ist für seine Nachfolger Gold wert und soll in aller Ruhe an sie weitergegeben werden.
Bruno Rölli und seine Partnerin können derweil das Rentnerleben in allen Zügen geniessen. Und sie können etwas tun, was ihnen die letzten 15 Jahre stets verwehrt blieb: Zwei Wochen Ferien am Stück machen.
David Annaheim
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