Michele Macagnino
Der Vorstand des FC Olten im grossen Interview
Aus eigener Erfahrung begleiten Nadine und Oliver heute Menschen aus der Sucht. Bild: zvg
Seit Oktober begleiten Oliver Jacobs von Jacobs Beratung und Nadine Flück von Flück Beratung in Zofingen Menschen mit einer Suchterkrankung sowie deren Familien und Angehörige auf dem Weg zur Genesung. Ihre Erfahrungen und Kompetenzen sammelte das Paar nicht nur durch Aus- und Weiterbildungen, sondern auch durch ihre eigene, bewegte Lebensgeschichte.
Zofingen Oliver Jacobs verbrachte einen Grossteil seines früheren Lebens im inneren Kampf – in einem Doppelleben zwischen beruflichem Erfolg und persönlichen Schattenseiten. Mit 38 Jahren blickt er heute auf eine beeindruckende Karriere zurück, die nach aussen hin von Sicherheit und Stabilität geprägt war: Als Verkaufsleiter führte er ein Team von 13 Mitarbeitenden, als Mitglied der Geschäftsleitung war er an der strategischen und operativen Ausrichtung des Unternehmens beteiligt. Doch hinter der professionellen Fassade verbarg sich ein anderes Leben: Druck, innere Konflikte und Unruhe begleiteten ihn täglich und liessen ihn keinen inneren Frieden finden. Schon früh griff Oliver Jacobs deshalb zu Cannabis, Alkohol und anderen Substanzen. Aus gelegentlichem Konsum wurde eine tägliche Gewohnheit. Schliesslich fand er sich in einer tiefen Abhängigkeit wieder.
Die Fassade hielt der äusseren Wahrnehmung lange Zeit stand – wäre da nicht seine Lebenspartnerin Nadine Flück gewesen, mit der er heute die Suchtberatung und psychologische Beratung in Zofingen führt. Seit 17 Jahren sind die beiden ein Paar und haben zwei gemeinsame Kinder. Während Oliver Jacobs heute vor allem Menschen mit einer Suchterkrankung sowie deren Angehörige begleitet, konzentriert sich Nadine Flück auf die psychologische Beratung von Angehörigen, Frauen, Familien, Eltern, Kindern und Jugendlichen.
Auch Flück brauchte Zeit, um hinter die Fassade zu blicken und das Ausmass zu erkennen. Erst als sie mit Oliver in ihre gemeinsame Wohnung zogen und sich immer mehr Bierflaschen im Altglas sammelten, begleitet von ungewöhnlichen Erklärungen, dämmerte ihr die Wahrheit. «Ich verstand die Welt nicht mehr», erinnert sich die gebürtige Thunerin. Wie viele Angehörige fühlte sie sich im ersten Moment hilflos. «Man tappt als nahestehende Person oft im Dunkeln», sagt sie – nicht zuletzt, weil Menschen mit einer Suchterkrankung ihr Verhalten immer wieder relativieren würden. Häufig schöpfe man so Hoffnung auf Besserung. Umso grösser sei die Enttäuschung, wenn Betroffene doch wieder in alte Muster zurückfallen und Angehörige vor vollendete Tatsachen gestellt werden.
Die professionelle Seite von Oliver, die er jahrelang zum Schutz seiner Sucht aufrechterhalten hatte, half ihm letztlich auch auf dem Weg aus der Abhängigkeit. Seine zielstrebige und engagierte Art, die er im Berufsleben täglich zeigte, setzte er später auch im Kampf gegen die Sucht ein. «Wenn ich mir ein Ziel setze, ziehe ich das auch durch», sagt er. Zunächst versuchte er verschiedene ambulante Angebote, jedoch ohne nachhaltigen Erfolg.
Der Wendepunkt kam, als er von seiner Partnerin Nadine Flück erfuhr, dass er Vater wird. «Ich wusste einfach, dass es so nicht weitergeht und dass ich ein Vorbild für meine Kinder sein will», erinnert sich Oliver Jacobs. Er entschied sich daraufhin für eine stationäre Therapie und anschliessender intensiver psychologischer Begleitung – mit Erfolg.
Heute spielen Alkohol und Drogen in seinem Leben keine Rolle mehr – ausser in seiner Arbeit als Suchtberater. Auch mit ihren beiden Töchtern pflegen die beiden einen offenen und ehrlichen Umgang mit der Vergangenheit. Prävention entstehe vor allem durch offenen Dialog und nicht durch strikte Verbote, sagt Nadine Flück. Diese würden zum Teil sogar das Gegenteil bewirken.
Die gemeinsame Lebenserfahrung sowie fundierte Aus- und Weiterbildungen bilden die Grundlage für ihr heutiges Beratungsangebot. Unter den eigenständigen Angeboten «Jacobs Beratung» und «Flück Beratung» begleiten sie Betroffene, Angehörige, Familien und Kinder sowie Jugendliche. Ein besonderes Angebot ist das Intensivcoaching, dass eine intensive Begleitung und nachhaltige Veränderung ermöglicht. Kurze Wartezeiten und die Möglichkeit mehrerer Termine pro Monat schaffen zusätzliche Flexibilität und Kontinuität in der Begleitung.
Oliver Jacobs ist auf Suchterkrankungen, Angehörigenberatung und Co-Abhängigkeit (Mitbetroffenheit) spezialisiert. Neben seiner Ausbildung zum Suchtberater und psychologischen Berater bringt er auch seine persönliche Erfahrung ein. «Ich weiss, wie das Leben mit einer Sucht ist und was alles dazugehört», sagt er. Es entspricht seinem Slogan: «Sucht – ein Leben zwischen Finsternis und Licht». Nadine Flück lässt ihre persönlichen Erfahrungen ebenfalls in ihre Arbeit einfliessen. Sie bietet psychologische Beratung für Angehörige, Frauen, Familien, Eltern, Kinder und Jugendliche an.
Im Rahmen der Nationalen Aktionswoche für Kinder aus suchtbelasteten Familien bietet sich am 21. und 22. März beim Tag der offenen Tür die Gelegenheit, Jacobs Beratung und Flück Beratung näher kennenzulernen. Der Anlass findet an beiden Tagen jeweils von 13 bis 17 Uhr statt. Für Familien wird einiges geboten: Ein lebendiger Nachmittag mit Ron Dideldum lädt zu Spiel, Kreativität und Staunen ein. Kinder können einen fliegenden Schmetterling basteln, ihre Ideen an einer grossen Malwand für kleine und grosse Künstler gestalten und verschiedene Geschicklichkeitsspiele entdecken. Ein Postenlauf sorgt zudem für Bewegung, Lachen und gemeinsame Erlebnisse.
Zusätzlich findet ein Fachanlass für Fachpersonen statt. Eine Vertreterin von Sucht Schweiz wird anwesend sein und Einblicke in die Nationale Aktionswoche sowie in aktuelle Themen rund um Suchterkrankungen geben. Bei Interesse wird um Anmeldung unter kontakt@jacobs-beratung.ch gebeten.
jacobs-beratung.ch
kontakt@jacobs-beratung.ch
076 842 31 60
flueck-beratung.ch
kontakt@flueck-beratung.ch
076 373 99 06
Forstackerstrasse 2a
4800 Zofingen | Mollipark
Joel Dreier
Lade Fotos..