Jasmine Klasen
Im Haus der Museen in Olten steht neu der Kiesel im Rampenlicht
Symbolbild.
Ein sicheres Zuhause ist für viele Kinder eine Selbstverständlichkeit, für andere eine neue Erfahrung. Lena (Name geändert) ist zehn Jahre alt und lebt heute in einer Pflegefamilie. Ihre Geschichte zeigt, was ein stabiles Umfeld für ein Kind bedeuten kann und warum Pflegefamilien so dringend gebraucht werden.
«Ich habe zwei Zuhause», sagt Lena. «Das klingt komisch, ich weiss. Die meisten in meiner Klasse haben nur eins.» Lena verbrachte ihre ersten Lebensjahre bei ihrer leiblichen Mutter. Als diese mit der Betreuung überfordert war und die Versorgung ihrer Tochter nicht mehr sicherstellen konnte, kam Lena in eine Pflegefamilie. Der Neuanfang veränderte vieles: «Mein neues Zimmer war hell und aufgeräumt, und es roch fremd», erinnert sie sich. Ihren Teddy hielt sie fest im Arm. «Ich wollte nicht weinen, aber dann tat ich’s doch.» Ihre Pflegeeltern reagierten anders, als sie erwartet hatte: «Sie haben nicht gesagt: ‹Jetzt ist aber gut.› Sie haben einfach neben mir gesessen. Das fand ich komisch und irgendwie auch schön.»
Mit der Zeit wurde aus dem fremden Ort ein Zuhause. Klare Strukturen, gemeinsame Gespräche und Mitbestimmung im Alltag gaben Lena Sicherheit. «Beim Abendessen darf ich mitreden, sogar wenn ich eine andere Meinung habe», erzählt sie. «Einmal hab ich gesagt, dass ich Brokkoli eklig finde, und meine Pflegemama hat gelacht und gesagt: ‹Ich eigentlich auch.› Dann haben wir beide gelacht.»
Die Verbindung zu ihrer Herkunftsfamilie bleibt bestehen. Zweimal im Monat besucht Lena ihre Mutter. «Manchmal vermisse ich meine Mama, besonders abends», sagt sie. Ihre Pflegemutter habe ihr erklärt, dass beides nebeneinander bestehen darf: die Liebe zu ihrer Mutter und das Wohlfühlen im neuen Zuhause. «Ich hab lange gebraucht, um das zu verstehen. Aber ich glaube, jetzt versteh ich’s.»
Im Alltag sind es oft kleine Dinge, die für Lena den Unterschied machen: Jemand, der ihre Schulhefte unterschreibt, sie abholt, wenn sie krank ist, oder nachts das Licht anlässt, wenn sie sich im Dunkeln fürchtet. «Mein Zimmer riecht jetzt nicht mehr nach Fremde. Es riecht nach mir.»
Lenas Geschichte steht stellvertretend für viele Kinder, die aus unterschiedlichen Gründen nicht bei ihren Eltern aufwachsen können. Sie brauchen Menschen, die ihnen Stabilität, Sicherheit und Geborgenheit geben. Die Fachstelle kompass sucht im Kanton Solothurn engagierte Paare und Familien, die bereit sind, einem Kind ein verständnisvolles und verlässliches Zuhause zu bieten, sei es an Wochenenden, befristet oder dauerhaft.
Am 26. März findet in Solothurn ein Informationsabend statt. Weitere Informationen finden Sie unter: www.kompass-so.ch.
pd
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