Bruno Rölli
Er konnte seinen Gravurladen in neue Hände übergeben
Equipment Manager Alex Vanhala (31) in seinem kleinen Königreich, dem Equipment-Raum im Kleinholz. Hier schleift er Kufen, kümmert sich um die Wäsche und ist für Reparaturen zur Stelle, wenn etwas geflickt werden muss.
Bild: da
Kufen schleifen, Wäsche machen, Ausrüstung reparieren und die Kabine putzen: Als «Equipment Manager» sorgt Alex Vanhala beim EHC Olten dafür, dass hinter den Kulissen alles rund läuft. Seit gut einem Jahr ist die Dreitannenstadt das Zuhause des 31-jährigen Finnen. In diesem hat er sich seither gut eingelebt.
Olten Während die 1. Mannschaft trainiert, ist Alex Vanhala gerade fleissig am Frotteetücher falten. Nebst der Wäsche und vielen weiteren kleinen Aufgaben kümmert er sich als Equipment Manager (Materialwart) auch darum, dass die Kufen den passenden Schliff haben. Jede Kufe hat eine Innen- und eine
Aussenkante. Dazwischen befindet sich die Hohlkehle. Je tiefer diese ist, desto stärker der Grip. Ein flacherer Schliff sorgt dagegen für besseres Gleiten und mehr Tempo. Dass die Spieler dabei unterschiedliche Vorlieben haben, weiss Vanhala aus Erfahrung. «Interessanterweise haben unsere beiden Kanadier ganz andere Präferenzen: Guillaume Asselin mag es weniger scharf, Jayce Hawryluk hat dafür die schärfsten Kanten von allen», erzählt der Finne.
Wenn während des Spiels ein Stock oder eine Kufe bricht, ist Alex Vanhala schnell mit dem passenden Ersatz zur Stelle. Nach der Schlusssirene ist sein Arbeitstag indes noch nicht vorbei. Nachdem die Spieler die Garderobe verlassen haben, kümmert er sich um die Reinigung der Kabine. Rund zwei Stunden
dauert es jeweils, bis auch er nach Hause gehen kann. «Sie geben sich zumindest Mühe, alles möglichst sauber zu hinterlassen», sagt Vanhala mit einem Schmunzeln. Am meisten an seinem Beruf mag er, Teil der Mannschaft zu sein: «Wenn du siegst oder verlierst, sind die Emotionen im Prinzip dieselben, als wenn du auf dem Eis stehen würdest.»
Dass Alex Vanhala als Equipment Manager tätig ist, kommt nicht allzu überraschend. Diesen Beruf übt auch sein Vater Antti in Finnland bei JYP Jyväskylä aus, dem Heimteam der Familie, das in der höchsten finnischen Liga spielt. Alex selbst spielte in seiner Jugend ebenfalls schon im Nachwuchs von JYP. Später war er dort als Nachwuchscoach und schliesslich ebenfalls als Equipment Manager der U20 tätig.
Eishockey faszinierte ihn schon als Kind. «Ich verfolgte nicht nur das Männerteam in der Stadt, sondern auch die Spiele meiner Tante.» Diese gehörte 1998 der finnischen Nationalmannschaft und nahm in Nagano an den Olympischen Spielen teil. Es war das erste Mal, dass auch die Frauen im Eishockey bei Olympia vertreten waren.
Der Kontakt zum EHCO entstand über Vanhalas früheren Spieleragenten, den er noch aus seiner Zeit in Österreich kannte. Dort spielte er von 2014 bis 2016 in Linz und Kitzbühel Hockey. «Als ich erfuhr, dass in Olten eine Stelle frei wurde, wusste ich zu diesem Zeitpunkt natürlich noch nichts über den Verein», erzählt er. Nachdem Vanhala sich näher über das Team informierte, stiess er allerdings auf einen Namen, den er kannte: Christian «Wolwo» Wohlwend. «Ich interessiere mich für Hockey in ganz Europa, deshalb war mir Wolwo natürlich bekannt.» Vor allem aber war er ihm ein Begriff, weil Wohlwend beim HC Ajoie zu der Zeit an der Bande stand, als auch die JYP-Hockeylegende Juha-Pekka Hytönen Assistenzcoach war. Auch weitere ehemalige JYP-Spieler, etwa die Honka-Brüder, spielten in Ajoie. Vanhala liess es sich daher nicht nehmen, bei seiner Bewerbung für den EHCO die ehemaligen JYP-Spieler als Referenz anzugeben, da man sich aus früheren Zeiten kannte. Kurz darauf meldete sich Wohlwend: «Er sagte mir, ich könne unmöglich alle diese Spieler kennen», erzählt Vanhala schmunzelnd. So kam es schliesslich, dass der Finne im Juli 2025 seinen Vertrag in Olten als Equipment Manager unterschrieb.
Auch wenn Finnen das Vorurteil anhaftet, eher zurückhaltend und nicht allzu gesprächig zu sein, trifft dies auf Vanhala überhaupt nicht zu. «Ich höre das oft», lacht er. «Die Spieler haben mich sogar schon gefragt, ob ich sicher sei, dass ich Finne bin, weil ich so viel rede», lacht Vanhala.
Ganz einfach sei es in den ersten Wochen trotzdem nicht gewesen, nach zehn Jahren in Finnland wieder in einem fremden Land zu leben. Inzwischen hat er sich in Olten aber gut eingelebt. Wohnen tut er im Westen der Stadt an der Grenze zu Wangen bei Olten. Mit dem Velo ist er in fünf Minuten im Kleinholz.
Auf dem Eis steht Vanhala gelegentlich auch selbst noch – beim SC Altstadt Olten. Dort konnte er bereits Freundschaften schliessen. Während der diesjährigen Chilbi stand er beispielsweise hinter der
SCA-Bar und verbrachte eine tolle Zeit mit den Teamkollegen und den Bargästen. Zudem trifft er sich ab und zu mit seinen finnischen Eis- und Unihockeyfreunden, die derzeit in der Schweiz leben und arbeiten.
Dieses Wochenende geht es für Alex Vanhala allerdings einmal um eine andere Sportart: Als Besucher macht er sich auf den Weg an die Swiss Darts Trophy nach Basel.
Danach wartet wieder der Alltag im Kleinholz. Er steht zwar nicht im Rampenlicht, aber Alex Vanhala sorgt im Hintergrund dafür, dass im Kleinholz alles bereit ist, wenn die Spieler ihren grossen Auftritt haben.
David Annaheim
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