Cornelia Mackuth-Wicki
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Aufgewachsen in der hockeyverrückten Region Québec, führte Guillaume Asselins Weg über die Slowakei und die Westschweiz zum EHC Olten. Mit der NOZ spricht der 34-jährige Kanadier über sein Leben als Hockeyprofi, wie er sich in der Region eingelebt hat und darüber, wer für ihn der MVP im Club ist.
Guillaume Asselin, erinnern Sie sich noch an Ihre ersten Momente auf dem Eis?
Leider nicht, meine Eltern und mein Onkel erzählten mir, dass ich immer mit ihnen Hockey gespielt habe. Ich weiss nur, dass ich stets gerne auf dem Eis stand und schon als kleines Kind davon träumte, den Stanley Cup zu gewinnen. Zuhause in Kanada gibt es draussen überall Eisfelder, auch zwei Minuten von meinem Elternhaus entfernt.
Sie sind in Québec aufgewachsen. Gibt es in dieser hockeyverrückten Gegend überhaupt andere Sportarten, die Sie gereizt haben?
Eishockey ist klar die populärste Sportart. Aber im Sommer in der Zwischensaison habe ich auch gerne Baseball, Fussball und Golf gespielt.
Später haben Sie an der Universität Québec Trois-Rivières einen Bachelor im Finanzwesen gemacht und dort für das Uni-Team gespielt. Wie wertvoll war diese Zeit?
Trois-Rivières liegt ungefähr eine Stunde von Québec City entfernt. Es war eine tolle Erfahrung. Einerseits hat die Uni-Zeit mir bei meiner Entwicklung als Hockeyspieler weitergeholfen. Andererseits habe ich dadurch einen Abschluss in der Tasche, was mir eine gewisse Sicherheit für die Zeit nach dem Hockey gibt.
2017 folgte der Sprung über den grossen Teich in die Slowakei zum HC Banská Bystrica. Wie schwierig war der Entscheid, den Kontinent zu wechseln?
Vor meinem letzten Jahr an der Uni habe ich das Trainingscamp der Montréal Canadiens besucht. Sie wollten mich für einen Vertrag bei ihrem AHL-Farmteam, den St. John’s IceCaps, verpflichten. Ich hatte aber noch einige Uni-Kurse übrig und wollte zuerst unbedingt meinen Abschluss fertig machen, da ich sehr hart dafür gearbeitet habe. Daher bin ich später zum Team gestossen. Anschliessend habe ich leider keinen neuen Vertrag mehr erhalten. Ich wechselte deshalb in die East Coast Hockey League, wo mir einer der General Managers schliesslich sagte: ‹Hey, ich denke, du könntest in Europa spielen und dort eine tolle Zeit verbringen.› Ich habe mich dann zu diesem Schritt entschieden und mein Agent hat einen Deal in der Slowakei an Land gezogen. Ich hatte keine Idee, was mich erwarten würde (lacht). Jedoch hatte ich mich online erkundigt und gesehen, dass zwei französisch-kanadische Spieler im Team waren, von denen ich einen bereits kannte. Es hat sich herausgestellt, dass der Wechsel eine gute Entscheidung war: Wir gewannen zweimal in Folge die Meisterschaft und ich habe erkannt, dass auch die Slowakei sehr hockeybegeistert ist.
Wie fanden Sie anschliessend den Weg zum HC Sierre?
Als ich etwa zwölf Jahre alt war, kamen wir für ein Trainingscamp in die Schweiz. Dabei haben wir auch einige Eishockeystadien besucht. Als ich dann zurück in Kanada war, sagte ich meiner Mutter: Wenn ich nicht in der NHL spielen kann, dann will ich in der Schweiz spielen. Es war also schon immer ein Ziel von mir. Mein damaliger Spieleragent brachte mich schliesslich mit Sierre in Verbindung.
Nach weiteren Stationen in der Westschweiz spielen Sie nun die dritte Saison für den EHC Olten. Gibt es im Alltag Verständigungsprobleme, da Sie sich nur noch selten auf Französisch unterhalten können?
Ich frage die Leute stets, ob sie Französisch oder Englisch sprechen. Wenn sie auf Französisch antworten, freue ich mich natürlich umso mehr (schmunzelt). Überhaupt sind die Menschen hier alle sehr freundlich. Mein ältester Sohn geht inzwischen in Hägendorf, wo ich mit meiner Familie wohne, das zweite Jahr in den Kindergarten und versteht praktisch schon alles auf Deutsch.
Stehen Ihre Söhne auch schon auf dem Eis?
Ja. Der ältere spielt im U9-Team und der jüngere ist vier Jahre alt und besucht nun die Hockeyschule. Ich liebe es, ihnen beim Spielen zuzusehen, ob es nun Hockey oder eine andere Sportart ist.
Wann stehen Sie eigentlich an einem Spieltag auf?
Dank meinen Kindern bin ich stets um 7 Uhr wach (lacht). Die Nacht davor gehe ich jeweils früh ins Bett. Wir essen alle zusammen Frühstück. Dann folgen am Morgen Trainings oder Meetings und über den Mittag gibt's eine grosse Portion Pasta mit Poulet. Danach erlaube ich mir einen Mittagsschlaf, geniesse die Zeit mit den Kids und anschliessend gehe ich ans Spiel. Bei Auswärtsspielen kann es ein langer Tag werden, aber wenn du mit Hockey deinen Lebensunterhalt verdienen darfst, ist dies etwas ganz Tolles.
Fallen Ihnen Unterschiede ins Auge, wenn Sie den EHCO mit früheren Vereinen vergleichen, für die Sie gespielt haben?
Als ich in Sierre spielte, war es das erste Jahr in der Swiss League für den Verein. Alles war neu für das Team. Vom Essen nach dem Spiel bis zur Organisation der Spielertransporte war es manchmal ein wenig chaotisch. Dann wechselte ich in die National League zum HC Ajoie, wo vieles professioneller daherkam. Auch hier in Olten ist alles sehr gut organisiert. Was «Vivi» (Viviane Barandun, Team-Managerin der Geschäftsstelle, Anm. d. Red.) für den Club leistet, ist unglaublich; sie ist der MVP, der Most Valuable Player. Wann immer du eine Frage hast, weiss sie Rat. Auch sonst fühle ich mich wohl: Wir sind eine grosse Familie, die Unterstützung der Fans ist gross und die Atmosphäre im Stadion ist cool.
Wie gehen Sie mit Kritik um?
Kritik ist Teil unseres Jobs. Manchmal hast du einen guten, manchmal einen schlechten Tag. Aber klar: Wenn du mehr schlechte Tage hast und nicht gewinnst, ist die Kritik berechtigt. Aber ich mag es, unter Druck zu stehen.
Was haben Sie für ein Verhältnis zu Ihren Teamkollegen?
Ein sehr gutes. Mehrere Jungs von unserem Team wohnen sogar an derselben Strasse in Hägendorf. Ich habe sie schon zum Raclette eingeladen. Ich lebe nun doch schon seit rund acht Jahren in der Schweiz und liebe Käse und Wein. Daher gehört ein Racletteofen natürlich zum Haushalt dazu (lacht).
Wie gefällt Ihnen Olten und die Umgebung?
Die Region und die Natur sind sehr schön. Und im Vergleich zu Kanada sind die Distanzen ganz andere. Du bist schnell in Luzern, Basel, Bern und Zürich. Wann immer wir einen freien Tag haben, versuchen wir als Familie etwas zu unternehmen.
Wo sehen Sie Ähnlichkeiten zwischen Kanada und der Schweiz?
Die Kanadier sind wie viele Schweizer auch eher «laid-back», also entspannt und lassen sich nicht so schnell aus der Ruhe bringen. Ich denke, auch deshalb hat Kanada auf der Welt ein gutes Image.
Finden Sie Zeit, um Ihre Heimat zu besuchen?
Ja, im Sommer fliegen wir jeweils nach Québec. Das ist auch die einzige Möglichkeit, meinen Vater zu sehen, denn er hat Flugangst. Meine Mutter hat mich aber schon mehrere Male in der Schweiz besucht.
Sind Sie besonders nervös, wenn sie Ihre Spiele besucht?
Nein, ich liebe es! Und es ist auch nicht schwierig festzustellen, dass sie im Stadion ist: Sie feuert mich jeweils sehr laut an (lacht). Wenn etwa gerade ein Spielunterbruch ist und alle in Ruhe auf das Face-off warten, ist sie die Einzige, die schreit. Ein besonders schöner Moment war, als sie einmal in die Kabine kommen und dort die Startaufstellung verkünden durfte.
Sie sind nun 34 Jahre alt. Welche sportlichen Ziele möchten Sie noch erreichen?
Auch wenn der Saisonstart nicht wie erwünscht lief: Mit dem EHC Olten einen Titel zu gewinnen, wäre natürlich ein grosser Traum. Die Fans haben eine lange Durststrecke hinter sich und hätten einen Titel alleine schon für ihre grosse Unterstützung verdient.
Haben Sie schon Pläne, was auf Ihre Aktivkarriere folgen soll?
Ab und zu mache ich mir schon Gedanken, was nach der Hockey-Karriere sein könnte, aber konkrete Vorstellungen habe ich noch keine. Wie erwähnt habe ich einen Uniabschluss, aber ich bin nicht der Typ, der nur im Büro am Schreibtisch sitzen kann. Ich muss mich bewegen und Leute treffen können. Wichtig ist, dass du gerne tust, was du machst. Daher liegt mein Fokus aktuell klar auf dem Eishockey und ich nehme alles Tag für Tag.
Interview: David Annaheim
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