Der Waschbär
Das niedliche Raubtier stellt die Jäger vor grosse Herausforderungen
Der geplante Campus auf Zeit im Zementi-Areal soll einen vollwertigen Unterricht ermöglichen.
Visualisierung: zvg
Olten muss seine Schulhäuser sanieren und benötigt mehr Schulraum. Bei seinem Entscheid zur Schulraumstrategie 2045 hielt der Stadtrat im vergangenen August fest, dass ein zentraler Überbrückungscampus deutlich günstiger käme als dezentrale Provisorien. Nun, wo die Parlamentsdebatte für den konkreten Kredit ansteht, kann er dieses Argument nicht länger vorbringen.
Olten Die Stadt Olten sieht sich in den nächsten 15 Jahren mit mehreren zu sanierenden Schulhäusern (Frohheim 2028-2030; Säli, Bannfeld, Bifang 2037-2041) sowie steigenden Schülerzahlen auf Stufe Sekundarschule konfrontiert. Eine schnelle Lösung für dieses Problem muss also her. Der Stadtrat sieht diese in einem Überbrückungscampus in Holzmodulbauweise auf dem Zementi-Areal gefunden. Der temporäre Campus, bestehend aus 26 Räumen (darunter 10 Klassenräume), biete Vorteile in Sachen Koordination, Flexibilität, Qualitätssicherung, Planungssicherheit und Kosteneffizienz, stelle man ihn einer dezentralen Containerlösung gegenüber.
Dies war zumindest die Ausgangslage im vergangenen August, als der Stadtrat seine Schulraumstrategie 2045 verabschiedete. Die Kosten der zentralen Campuslösung wurden auf 15 Millionen Franken geschätzt. Für die Ermittlung der Kosten seien hierfür verschiedene umgesetzte Holzmodulbau-Projekte verglichen worden. Eine dezentrale Containerlösung mit deutlich schlechterer Qualität würde derweil CHF 16 – 24 Mio (bzw. 4-6 Mio. je Standort) kosten, wobei hier weitere Aufwände für den provisorischen Schulraum für die steigenden Schülerzahlen noch nicht mit inbegriffen sind. «Die Stadt rechnet mit diesem zentralen Ansatz mit deutlich geringeren Gesamtkosten als bei separaten Provisorien für jede einzelne Sanierung», hiess es folgerichtig in der damaligen Medienmitteilung der Stadt.
Juni 2025: Nun liegt die ausgearbeitete Vorlage zum Überbrückungscampus vor, worüber das Gemeindeparlament kommende Woche befindet. Der zu bewilligende Kredit beläuft sich inzwischen auf CHF 27,6 Mio. (inklusive Kostengenauigkeit von +15 % sowie Abbaukosten in der Höhe von rund CHF 3,5 Mio). Ein finanzieller Vorteil gegenüber dezentralen Container-Provisorien wird nicht länger geltend gemacht. Die gestiegenen Kosten führt die Stadt derweil auf die Konkretisierung des Projekts zurück, insbesondere auf den gestiegenen Flächenbedarf.
Aktuelle Beispiele zeigen, dass die Kosten für Containerprovisorien stark variieren. In Worb (BE) wird derzeit der Oberstufenstandort saniert. Das dazugehörige Provisorium, das auf dem roten Platz des Schulareals zu stehen kam, kostet rund CHF 2,8 Mio. und ermöglicht es, den gesamten Unterricht der 15 Klassen während der Bauarbeiten auszulagern. In Egerkingen kostete ein Containerprovisorium im Rahmen des Neubaus der Primarschule Mühlematt rund CHF 1,5 Mio. und ermöglichte ebenfalls den ausgelagerten Unterricht für rund ein Dutzend Klassen (das neue Primarschulhaus selbst kam im Übrigen mit unter CHF 15 Mio. günstiger zu stehen als der geplante Überbrückungscampus in Olten).
Daher stellt sich die Frage, wie die geschätzten Kosten der dezentralen Containerlösung von CHF 4 – 6 Mio. pro Standort in Olten überhaupt zustande gekommen sind. Auf Anfrage der NOZ teilt Baudirektorin Marion Rauber mit, dass es sich dabei nicht um eine objektbezogene Kostenschätzung für das Frohheim-, Bifang-, Bannfeld- oder Säli-Schulhaus gehandelt habe, sondern um eine «strategische Grobannahme für den Variantenvergleich». Die Berechnung habe auf Richtwerten von Unternehmern beruht, bestehend aus Kosten für die Containermiete, Montage, Zusatzarbeiten plus Mehrwertsteuer, was summa summarum 3’268’944 Franken ergebe. Bei einer Grobkostenschätzung mit einer Kostengenauigkeit von ±25 % liege bereits dieser Wert in der Grössenordnung von rund CHF 4 Mio., so Rauber. Nicht enthalten seien in dieser Berechnung unter anderem Kosten für Submission, Umzug, Erstausstattung, standortspezifische Fundationsabklärungen, Reserven sowie Risiken aus konkreten Totalunternehmer-Angeboten gewesen.
Gemäss der Baudirektorin habe der Stadtrat die im August verabschiedete Schulraumstrategie während des gesamten Prozesses mit dem jeweiligen Erkenntnisstand hinterfragt. Es seien auch mehrfach verschiedene Optionen und Lösungsansätze beleuchtet worden. Am Schluss sei die Kernfrage geblieben: Welche Lösung bleibt über mehrere Standorte hinweg terminlich, betrieblich, baulich und finanziell beherrschbar und löst gleichzeitig den zusätzlichen Raumbedarf? Daher sei man weiterhin überzeugt, dass die gewählte Lösung die richtige ist.
Nicht nur die Kosten für den geplanten Überbrückungscampus sind deutlich gestiegen, auch jene für die eigentliche Sanierung des Erweiterungsbaus des Frohheim-Schulhauses, die von 2028 – 2030 durchgeführt werden soll. Als der Stadtrat im Mai 2024 den Generalplaner-Auftrag für die Sanierung vergab, wurden die Kosten basierend auf der vorgenommenen Machbarkeitsstudie auf CHF 8,2 Mio. geschätzt. Nun, zwei Jahre später, stimmt das Parlament über einen Kredit in der Höhe von CHF 23,3 Mio. (inkl. Kostengenauigkeit von +15 %) ab. Auch über dieses Projekt wird das Parlament kommende Woche befinden. Falls dieses die Kredite für die Froheim-Sanierung und/oder den Überbrückungscampus spricht, wird am Ende das Oltner Stimmvolk das letzte Wort haben.
David Annaheim
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