Bruno Rölli
Er konnte seinen Gravurladen in neue Hände übergeben
Die Gösger Speedys springen seit mehr als 25 Jahren – mit Tempo, Teamgeist und viel Begeisterung. Nun stehen für die Rope-Skipping-Gruppe aus Niedergösgen die nächsten Höhepunkte vor der Tür.
Niedergösgen Wer Rope Skipping lediglich als schnelles Seilspringen aus Kindertagen kennt, hat die Gösger Speedys noch nicht gesehen. Wenn die Seile durch die Luft sausen, Füsse und Hände im Takt arbeiten und aus einzelnen Sprüngen ganze Choreografien entstehen, wird aus einem Pausenspiel anspruchsvoller Sport. Schnelligkeit, Konzentration, Koordination, Gleichgewicht und Ausdauer sind gefragt.
In Niedergösgen hat diese Begeisterung eine lange Tradition. 1998 besuchten Cony Lüthy, Käthi Meier und Martina Schlosser einen Rope-Skipping-Workshop in Luzern. Kurz darauf bot Cony Lüthy im Rahmen einer Polysportwoche des «Fides» Turnvereins einen Kurs an. Die Kinder waren derart begeistert, dass sie sich mehr Rope Skipping wünschten. Im Januar 1999 startete schliesslich das regelmässige Training. Bereits im Sommer desselben Jahres folgte der erste Auftritt an der Jugendfestbühne. Was damals mit einer kleinen Gruppe begann, entwickelte sich zu einer festen Grösse im regionalen Sportgeschehen.
Heute ist die Gruppe breit aufgestellt. Mehr als 40 Kinder, Jugendliche und Erwachsene gehören zu den Gösger Speedys. Trainiert wird auf unterschiedlichen Leistungsstufen. Die jüngsten Einsteigerinnen und Einsteiger springen bei den «Häsli», ab der fünften Klasse geht es bei den «Fröschli» weiter. Wer mehr Erfahrung gesammelt hat, gehört zu den «Kängurus». An der Spitze stehen die «Springmüüs», die Profigruppe. Zudem bietet sich auch Erwachsenen die Gelegenheit, einmal pro Monat zu trainieren.
Was sofort ins Auge fällt: Die Sportart zieht vor allem bei den Mädchen. Auch die heute 24-jährige Oriana Fröhlich hat das Virus im jungen Alter gepackt und seither nicht mehr losgelassen. «Was trainiert wird, ist sehr altersspezifisch», erklärt die Trainerin der Profi-Gruppe «Springmüüs». «Bei den Jüngsten wird insbesondere versucht, herauszufinden, welche Disziplin ihnen am meisten liegt. Was unseren Sport auszeichnet, ist, dass man ihn sowohl als Einzel- wie auch Teamsport ausüben kann.» Besonders beliebt bei den Gösger Speedys sind Freestyle-Kategorien und Shows, die Musik enthalten und in denen man kreativ sein kann.
Je fortgeschrittener die Sportlerinnen sind, desto stärker rückt die Technik in den Fokus. Zudem geht das Hüpfen an die Substanz: «Man gewöhnt sich natürlich daran. Als kürzlich ein Schnuppertraining durchgeführt wurde und die Teilnehmenden bereits nach zehn Minuten mit ihren Kräften am Ende
waren, wurde mir aber wieder bewusst, wie viel Kondition dazu benötigt wird», so Oriana Fröhlich.
Je nach Leistungsstufe kommen unterschiedliche Seile zum Einsatz. Sind dies im Einsteigerbereich noch PVC-Seile, sind es bei den Ambitionierten im Speed-Bereich Drahtseile. Diese ermöglichen es, schöner zu schwingen sowie schneller Geschwindigkeit aufzubauen. Der Schweizer Rekord bei den Frauen liegt in der Kategorie «Single Rope» aktuell bei 92 Sprüngen in 30 Sekunden. «Entsprechend kann es schon schmerzen, wenn dich das Drahtseil bei diesem Tempo trifft», weiss Oriana Fröhlich.
Wer sich selbst einen Einblick in den Sport verschaffen will, hat am Samstag, 19. September, in der Erlimatthalle in Däniken beim «Swiss Jump Cup» die Gelegenheit dazu. «Gesamtschweizerisch gibt es rund 15 Rope-Skipping-Vereine, die sich beim Organisieren abwechseln. In diesem Jahr sind die Gösger Speedys an der Reihe», erörtert OK-Mitglied Sonia Porcelli. Von 9.30 bis 16.30 Uhr steht ein Wettkampf auf dem Programm, der ausdrücklich allen Leistungsniveaus offensteht.
Am Morgen geht es im Speedturnier um Tempo und Präzision. In der ersten Runde werden eine Minute lang möglichst viele Sprünge absolviert. Danach folgen 30 Sekunden «Criss Cross», bevor im Finale 30 Sekunden «Double Unders» auf dem Programm stehen. Neu ist zudem ein «Wheel-Battle», bei dem zwei Teams im Freestyle gegeneinander antreten und von den Wertungsrichtern beurteilt werden.
Am Nachmittag wird der Wettkampf besonders familiär: Beim Eltern-Kind-Speedrelay springen jeweils ein Kind und ein Elternteil je 30 Sekunden. Den Abschluss bildet ein Gruppenwettkampf, wo der ganze Verein versuchen muss, in einer vorgegebenen Zeit möglichst viele Springende im Seil zu haben.
Nach dem Swiss Jump Cup wartet bereits der nächste grosse Termin: Am 20. März 2027 findet in Däniken die offizielle Schweizer Meisterschaft im Einzel statt. Dort messen sich schliesslich die Besten der Besten der Schweiz in verschiedenen Kategorien.
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